Wie man nicht in ecuadorianischen Bussen reisen sollte

Es ist passiert: Ich habe entgegen der Warnungen aller den Dieben eine Papaya hingereicht. „Dar papaya“, sagen die Ecuadorianer und meinen damit so etwas wie „Gelegenheit macht Diebe“. Und wie könnte es anders sein: Es passierte auf einer Busfahrt (Klassiker).

Und so bitte nicht …
Przemek und ich haben nun genau Halbzeit unser Ecuador-Reise, sitzen in einem geräumigen Bus von Quito nach Cuenca und eine 8-stündige Fahrt liegt vor uns. Die großen Rucksäcke sind (hoffentlich) sicher im Bauch des Busses verstaut und wir fragen uns: Wohin nun mit unseren kleinen Tagesrucksäcken mit den Wertsachen? Ich hatte wenig Lust, meinen Daypack die ganze Fahrt über auf meinem Schoß zu haben. Stattdessen nahm ich die kleine Handtasche raus, in der ich unsere Portemonnaies, Geld und Pässe verstaut hatte und hängte sie an einen Haken neben mir, sodass sie zwischen mir und der Wand eingequetscht war. Den Tagesrucksack legte ich auf den Boden zwischen meine Füße und machte es mir bequem, ohne weiter darüber nachzudenken. Schließlich fahre ich immer so Bus. Die Knie hochziehen, die Beine am Vordersitz festklemmen, mit dem Arsch nach unten rutschen und aus dem Fenster schauen.

Genau vor so einer Situation sind wir gewarnt worden. Auf dem Boden stehende Rucksäcke werden regelmäßig in Bussen von hinten unter dem Sitz aufgeschnitten und ausgeräumt. Aber das waren doch die Busse in der Innenstadt, dort wo die Passagiere ständig ein- und austeigen, doch nicht in einem Fernbus, war ich überzeugt. So langsam fühlte ich mich sicher in Ecuador. Bildete mir ein, ich wäre jetzt auch „streetsmart“ und ich würde die Diebe und gefährliche Situationen spüren und vermeiden können. Woher diese (Ein)Bildung kam?

Hab ich euch erwischt!
Einige Tage zuvor schlenderten Przemek und ich in der Altstadt Quitos die Straße entlang, als von hinten zwei Jungs schnell angelaufen kamen. Die sahen verdächtig aus!! Die gehören doch zu den Leuten, die Rucksäcke aufschneiden! Ich schnappte mir Przemeks Arm und zog ihn und seinen Rucksack weiter zu mir, von denen weg. Aus dem Augenwinkel heraus beobachtete ich, wie einer der Jungs in eine Tüte voller Bonbons von einem Mädchen neben sich griff. Auf einmal rannten Polizisten von hinten heran, schnappten sich die drei und filzten sie und ihre Süßigkeitentüte. Kurze Zeit später wurden sie zu den Polizeiautos geführt. „Cuidado“ sagte ein Ecuadorianer neben uns und zeigte erst auf sein Auge und dann auf uns. „Si“, antwortete ich und dachte: „Ha! Street smart!“

Der miese Trick
Tja, und mit dieser Gewissheit ließ ich meinen Rucksack auf dem Boden. Als ich drei Stunden später die Tasche öffnete waren meine Spiegelreflex, meine beiden Objektive und ein Ladekabel weg. Die Tasche intakt, der Rest noch da, aber um eine Kamera leichter. Oh Gott, wie konnte das nur passieren??? Und dann ratterte es …

… der junge Mann im hinteren Bereich des Busses, der uns zielstrebig auf andere Plätze setzte, als auf unseren Zetteln stand. Wir dachten, der wird schon zum Personal gehören. Schließlich setzte er auch die anderen Ecuadorianer um.

… der andere junge Mann, der sich hinter uns setzte, der Przemek zu verstehen gab, dass er seinen Sitz gerne zurück kippen könnte und uns damit völlig überfordert. Freundlich half er mir später beim Fenster öffnen und schließen.

… und dann dieser Typ, der auf einmal aufsprang, als der Bus an einer Station langsam anfuhr, gegen die Glastür zum Fahrer pochte und unbedingt schnell raus wollte.

… der freundliche Ecuadorianer genau hinter uns, der irgendwann ganz entspannt und ohne Tasche ausstieg und damit auch weg war.

Die Opfer positionieren, möglichen Zeugen andere Plätze weiter vorne zuweisen, die dummen Ausländer verwirren, ablenken, den Rucksack unter dem Sitz raus ziehen, ausräumen, schließen, zurückschieben, Beute an den Komplizen weiterreichen, der steigt ganz plötzlich aus und dann selbst ganz gemütlich und unschuldig den Bus verlassen.

Damit können wir es als unbedarfte Europäer nicht aufnehmen. Wir können nur im Nachhinein sauer auf uns selbst sein, wie gutgläubig wir sind. Wie einfach man sich austricksen lässt. Und dann hört da dieser Typ vor uns nicht auf seine beschissene Ware anzupreisen. Will keiner kaufen deinen Scheiß! Cajate! Ich bin sauer!

2 Gedanken zu “Wie man nicht in ecuadorianischen Bussen reisen sollte

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