Ecuador: Die Geheimnisse des Amazonas

Nach dem ersten (sehr) frühmorgendlichen Dahingleiten zum Bird Watching im Kanu, dem ersten wortwörtlichen Herumstiefeln im Regenwald in Rubberboots und dem ersten Night Walk auf der Suche nach spinnigem Getier dachte ich, dass ich wüsste, wie sich der Rest des Amazonastrips ungefähr gestalten würde. Ein paar Vögel hier, ein paar Äffchen da und dann noch ein paar Insekten. Klingt doch nett. Doch weit gefehlt. Obwohl an jedem Tag in etwa das gleiche auf dem Plan stand, wurde jeder Tag einzigartig. Und als Przemek und ich das eine Mal nach einem ereignisreichen Tag den zweiten Night Walk ausließen, verpassten wir Schlangen und eine kleine Tarantel am Wegesrand. Daraus haben wir gelernt und nahmen alles mit!

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Mit Gummistiefeln und Kameras gerüstet zur Walking Tour in den Regenwald

 

Äffchen direkt an der Lodge!

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Man muss genau hinschauen, um sie zu entdecken.


Die bösen Krabbeltiere des Regenwaldes

Was kriecht und kreucht eigentlich so im Amazonas herum? Diejenigen mit Spinnen-, Schlangen oder Krabbelviecherphobie möchten das vielleicht gar nicht so genau wissen, was vor allem nachts erst so richtig aktiv wird. Doch mit Taschenlampe, Gummistiefeln, langer Hose, Longsleeve und Mückenspray bewaffnet machen wir uns auf die Suche nach genau diesem Getier und stapfen beim Night Walk hinter unserem Guide her. Danach schaue ich auch immer zusätzlich zuerst unter die Klobrille bevor ich mich hinsetze.


Zitronenameisen, wandernde Bäume und Holz mit Knoblauchgeschmack

Vielleicht hat der eine oder andere bereits von den Ameisen gehört, die nach Zitrone schmecken sollen. Falls nicht – fragt unseren Guide Andrés, der weiß, wo die zu finden sind. Nur ein paar Meter von unserer Lodge entfernt klettern klitzekleine Ameisen, die für den unbescholtenen Betrachter aussehen wie die gemeine Hausameise, hintereinander an einem moosbedeckten Baumstamm hoch und verschwinden in ihm durch ein kleines Loch. „Try it!“ fordert uns Andrés auf und die ersten Finger werden in Richtung Baumstamm gestreckt. Die erste Ameise sitzt auf dem Finger einer Holländerin und verschwindet in ihrem Mund. Erschrocken reißt sie die Augen auf. „It bit me!“ ruft sie erstaunt aus. In die Zunge. Es war aber mehr Schreck als Schmerz. Die nächsten Ameisen wandern in die Münder, auch in meinen. Und tatsächlich – leicht zitronig im Abgang mit einem Hauch von Wald.

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Auf der Jagd nach Zitronenameisen

Wir stapfen weiter und kommen an allerlei Pflanzen und Bäumen vorbei, die die indigenen Völker des Amazonas früher auf ganz verschiedene, kreative Weise für sich nutzen. Sie waren perfekt angepasst an ihre Umgebung. Nicht so wie unsereins, der wegen jedem Mückenstich rumweint und sich Aprés-Aua draufschmiert. Die Ureinwohner haben sich einfach mal eine dickere Haut zugelegt, durch die Moskitos nicht pieksen können.


Die spitzen, schmalen und gleichzeitig harten Stacheln von Bäumen wurden beispielsweise als „Munition“ für die Blowguns verwendet. Zusätzlich wurden sie mit Gift von Fröschen und Pflanzen benetzt, um Kriege zu führen oder zu jagen. Die Rinde eines anderen Baums ist besetzt mit kleinen, stumpfen Hubbeln, an denen die Völker zum Beispiel die Siona, in deren Territorium sich unsere Lodge befindet, Yuca-Knollen (Maniok) rieben, um aus dem daraus entstandenen Mehl Brot herzustellen. Dieser Baum wird auch Walking Tree genannt, denn, wie der Name bereits sagt, wandert er herum. Im Laufe seines Daseins, sucht er sich kreisförmig den perfekten Platz. Hierfür wachsen ihm immer wieder neue Wurzeln und alte, die im Weg stehen, sterben ab.

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Der Baum, der im Kreis wandert.

Und dann ist da noch dieser Baum, dessen Holz nach Knoblauch schmeckt und für medizinische Zwecke genutzt wurde. Beispielsweise um verstopfte Nasengänge wieder freizumachen. Denn was hat man im Amazonas schon besseres zu tun als sich Knoblauchwasser durch die Nase zu ziehen? Man muss sich nur einmal die Geschichte dazu vorstellen, wie diese Entdeckung zustande kam.

Kurzerhand beginnt unser Guide mit einem Taschenmesser dieses Knoblauchholz in kleinen Raspeln abzutragen, auf einem Blatt zu sammeln und Wasser drüber zu träufeln. Ein Dank an „Pachamama“ (in der Sprache der Völker der Anden: Mutter Erde) und bereit war die Mutprobe. Einer nach dem anderen kniete sich vor dem kleinen Guide – die Ecuadorianer sind meist mindestens einen Kopf kleiner als ich und zwei als Przemek – und ließen sich das Knoblauchwasser in die Nase gießen. Einmal durchziehen und die Augen tränen. Jeder will am liebsten wieder aufspringen und sich die Nase halten, doch das andere Nasenloch fehlt auch noch. Es brennt und man fragt sich, warum man es getan hat, nachdem alle anderen schon geflucht haben. Doch, was soll ich sagen … am nächsten Morgen wachte ich mit Knoblauchgeschmack im Mund auf. Die Nase war kurzzeitig auch frei. Es roch dann halt alles nur nach Knoblauch bis zum nächsten Morgen. Danke Pachamama für diesen Regenwald mit all seinen Geheimnissen und Wundern!


 

Ausstattung für einen Walk durch den Regenwald

Gummistiefel: Um ohne Sorge durch die Matsche laufen zu können – haben wir aber von unserer Lodge bekommen.
Lange, dünne Hose: Es ist warm, doch es summt um einen herum und man weiß nie, was für möglicherweise reizende Pflanzen am Wegesrand stehen.
Longsleeve/langes dünnes Oberteil: s.o.
Mückenspray
Sonnenmilch
Regenponchos: Immer lieber einen Regenponcho mitnehmen
Drybag mit Tragriemen: Es gibt Schlamm, es gibt möglicherweise Regen – ein Drybag ist immer die beste Option um die Kamera zu schützen.

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