Ecuador: Welcome to the Amazon

Über dem Geländer vor unserem Zimmer hängen mit jedem Tag mehr nasse und verdreckte Klamotten, die nicht ganz trocken werden wollen. Socken, T-Shirts, Jacken, Unterwäsche, Hosen, ein Kleid und Regenponchos. Jedes Stück wird immer wieder befühlt in der Hoffnung, für den nächsten Walk im Regenwald oder für die nächsten Kanufahrt auf dem Cuyabeno nicht wieder in feuchte Kleidung schlüpfen zu müssen. Doch eigentlich ist es auch egal, wie wir sie anziehen. Schließlich sind wir für fünf Tage im Cuyabeno National Park in Ecuador, wo der nächste Regenschauer nicht lange auf sich warten lässt. Welcome to the Amazon. Welcome to the rainforest!

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Ein Päuschen in der Hängematte von all den neuen Eindrücken.

Die ersten Meter zu Wasser
Unsere erste nasse Hose bekamen wir gleich auf der Anreise zur Lodge mitten im Nationalpark im Kanu. Wir waren nun 15 Stunden von Quito aus unterwegs und damit auf dem letzten Abschnitt unserer Anreise, der auch gleichzeitig der Beginn des kleinen Abenteuers für uns und 16 weitere Personen war. Vor uns lag eine dreistündige Fahrt im motorisierten Kanu.

Wie von unserem neuen Guide Andrés empfohlen, steckten unsere Füße in Flipflops, nackte Beine ragten unter Regenponchos und -jacken in allen Farben und Formen hervor, von denen wir alle hofften, dass sie uns trocken halten würden. Brav hatte jeder die orangene Rettungsweste angezogen, die auf den Bänken im Kanu bereit lag und wir hielten unsere Hände und Füße fern vom durch den Regen aufgewühlten, braunen Wasser. Wer weiß schon, was alles dort unten haust? Der Himmel war grau, die Luft warm und dichtes Grün rauschte rechts und links an uns vorbei, während wir immer weiter in den Nationalpark hineinfuhren.

Mehr als nur etwas Nieselregen
Dann öffnete sich der Himmel und es prasselte auf uns nieder. Eilig schlossen alle ihre Ponchos und versuchten irgendwie die Taschen mit den Kameras und weiteren Habseligkeiten zu sichern. Die großen Backpacks waren in einem Extra-Kanu sicher auf dem Weg in die Lodge. Die Ladungssicherung sah bei mir so aus: Tasche auf den Schoß, weiter weißer Poncho darüber zugeknöpft und die Knopfleisten eingewickelt, sodass kein Wasser durch die Lücken hineinlaufen kann. Mit der anderen Hand setze ich mir immer wieder die vom Fahrtwind herunter gewehte Kapuze auf, ziehe ab und zu hierfür die Bändel straff und widme mich mit der anderen Hand wieder der Feinjustierung meiner Konstruktion. Oben einrollen, das Wasser läuft mir schon ins T-Shirt, unten zuppeln, der Regen weicht langsam meine Hose durch und husch, ist die Kapuze wieder unten. Währenddessen versuche ich durch den Regen, der in mein Gesicht prasselt, zu blinzeln, um alles um mich herum aufzunehmen und gleichzeitig die nasse Haare, die mir im Gesicht kleben aus den Augen zu streichen.

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Kanufahrt im Regen – Full Amazon Experience

Das Ufer, das keins ist, sondern Bäume und Büsche, die im Wasser stehen, die hohen Wipfel, das dichte Geäst direkt an der Wasseroberfläche, die unterschiedlichen Grüntöne, das beständige Summen des Motors, dessen Vibration ich durch die Bank im Kanu am Hintern spüre.

Der Wald erwacht zum Leben
Und dann hört es auf zu regnen. Der Himmel wird schlagartig blau und die Sonne knallt herunter. Es ist so warm, dass wir uns aus den Ponchos wieder raus pellen. Der Regenwald strahlt, die Blätter glänzen und auf einmal turnen Äffchen in den Wipfeln über uns. Der ganze Baum wackelt, braune Gesichter schauen aus dem Dickicht hervor und verschwinden wieder. Ein Affe mit Baby auf dem Rücken klettert über einen Ast. Welcome to the Amazon!

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Packliste für die Fahrten im Kanu
Drybag: Damit man sich gar keine Sorgen mehr um die Kamera im Boot machen muss und nur noch genießen kann
Regenponcho: Nehmt unbedingt einen langen Poncho mit! Unbezahlbar!
Flipflops: Feste Schuhe im Kanu sind sehr schnell nass und damit unbrauchbar und unangenehm
Ferngläser: Das Wildlife ist meist eher in den hohen Wipfel. Alternativ: Kamera mit Tele
Kamera mit Teleobjektiv: s.o.
Taschenlampe: Um Kaimane und Schlangen bei den Nachtfahrten besser zu sehen
Mückenspray: Vor allem in den Morgen- und Abendstunden
Sonnencreme: Auf einmal geht der Himmel auf und die Sonne scheint einem in die Fresse
bequeme Kleidung: Am besten kurze Hosen – optimalerweise Badehosen – und definitiv mehrere. So schnell werden die leider nicht wieder trocken, wie man sie wieder benötigt.
ausreichend Unterhosen: Denn die werden ständig nass.

Meine Empfehlung: Nicky Lodge
Tolle Guides, tolles Team und tolle Unterkünfte! Website

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