Südkorea: Meditieren bis das Bein einschläft – Templestay in Jikjisa

Da wir nun alle mit den Benimmregeln eines Templestays im buddhistischen Jikjisa Temple in Südkorea vertraut sind, kommen wir zu unserer Integration in den Alltag der Mönche. Hier unser Zeitplan für das Programm „Tranquil Templestay for relax“:

Day 1, Samstag 22. Oktober 2016
3:00 – 5:00 pm Arrival & Check-In
5:00 – 6:00 pm Relaxation
6:30 – 7:00 pm Dinner
7:00 – 7:30 pm Listening to Buddhist Instruments
7:30 – 8:00 pm Chanting (Gesang/Gebet)
9:00 pm Sleeping time

Day 2, Sonntag, 23. Oktober 2016
3:30 – 4.30 am Chanting
5:00 – 6:00 am Relaxation
6:00 – 6:30 am Breakfast
7:00 – 11:00 am Relaxation
11:30 – 12:00 am Lunch

Lassen wir einmal unseren Aufenthalt in diesem schönen, von bunten Herbstblättern umgebenen Tempel Revue passieren …

3:00 – 5:00 pm: Arrival & Check-In
Wie bereits im Beitrag zuvor erwähnt, wurden wir von einer Dame mit wenig Englischkenntnissen in Empfang genommen und mit unseren orangenen Uniformen und dem Zeitplan in der Unterkunft abgesetzt. Und das war’s erst einmal. Wir wussten nicht wohin mit uns, was man von uns erwartete und wanderten so herum. Das hatten wir uns anders vorgestellt, denn auch das Programm, das uns jetzt vorlag, passte nicht zu dem aus dem Internet. Dort war neben den oben genannten Programmpunkten weitere Optionen aufgezeigt wie beispielsweise eine Einleitung in die Grundregeln und das richtige Verhalten im Tempel und eine Tempel Tour (sollte das etwa schon das Video und ein kurzes Zeigen auf die vier wichtigsten Gebäude gewesen sein?), Malen eines buddhistischen Bildes, Meditation, Walking Meditation (Wanderung zum Mt. Hwangak) und ein Gespräch mit einem Mönch bei einer Tasse Tee.

Wo war unser Mönch? Wo war unser Tee und wo waren unsere Stifte zum lustigen Malen eines buddhistischen Bildes? „We are here, entertain us“, scherzten wir.

5:00 – 6:00 pm: Relaxation
Die erste Phase der Relaxation beim Templestay war entsprechend ganz und gar nicht relaxt und entspannt. Wir suchten das Gespräch um mehr über die Programmpunkte und den Tempel zu erfahren, schließlich war das Kennenlernen des Tempel-Alltags unser Ziel dieses Aufenthalts. Wir wurden auf später vertröstet. Ein Mönch, der Englisch spricht, sei ab 16 Uhr vor Ort, übersetzte ein anderer koreanischer Templestay-Teilnehmer die Worte der Infobüro-Dame. Währenddessen unterhielten wir uns mit einem etwa 40ig-jährigen Besucher des Tempels auf koreanisch – also, er redete auf uns auf koreanisch ein, auch wenn wir augenscheinlich nichts verstanden – der sich kurz einmal in meine Cousine verliebt hatte und sie mit einem sprudeligen Zitronen-Wasser versuchte für sich zu gewinnen. Für mich gab’s einfach mal einen Kofferanhänger. Aber Melissa galt sein „I like you“, was er später aus seinen grauen Englisch-Zellen heraus kramte. Außerdem trafen wir auf einen flirty Mönch, der mich am liebsten ans Händchen genommen hätte, um uns zur Kantine zu führen. Es war (endlich) Essenszeit.

6:30 – 7:00 pm: Dinner
Doch wir waren im Zwiespalt. Should we stay or should we go? Wer mich kennt weiß, dass ich eigentlich immer alles mitnehmen, wenn es um neue (kulturelle) Erfahrungen geht. Aus so gut wie allem kann ich etwas Gutes gewinnen, doch diese Situation wurmte mich extrem. Wie bereits erwähnt, wollten wir ja den Tempel-Alltag, die Mönche und ihre Religion (näher) kennenlernen. Doch sie uns scheinbar nicht.

Als wir schon umgedreht hatten, um es ein letztes Mal beim Infobüro zu probieren, liefen wir dem Mönch, den wir seit 16 Uhr versucht hatten abzupassen, in die Arme. Und dann wurde alles besser! Wir schilderten ihm unsere Situation und unseren Wunsch, mehr über alles zu erfahren und weitere Programmpunkte wahrzunehmen. Und er nahm unser Anliegen ernst.

Er führte uns in die Kantine, sagte einige Worte zu den angebotenen Gerichten und sprach mit uns das Dankgebet für unsere Mahlzeit („… I am ashamed to eat….“). Er würde uns nach dem Spiel der buddhistischen Instrumente abholen und mit uns zum Chanting gehen. Darüber waren wir sehr froh, denn hiervor hatten wir am meisten Respekt. Dabei kann bestimmt so einiges falsch gemacht werden.

7:00 – 7:30 pm: Listening to Buddhist Instruments
Was sind eigentlich buddhistische Instrumente? Ich stellte mir vor, wie ein Mönch auf einem Stuhl sitzt, während die Besucher andächtig den Klängen seines gitarrenähnlichen buddhistischen Instruments lauschen. Verkehrter hätte ich nicht sein können. Denn morgens und abends vor den Gebeten werden vier Instrumente im Beomjonggak, dem Bell Pavillon, direkt neben unserer Unterkunft, gespielt: The dharma drum, the wooden fish, the cloud-shaped gong und the bharma bell.

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Links: Beomjonggak, der Bell Pavillon

Mittlerweile war es dunkel geworden und die Tagesbesucher haben den Tempel verlassen. Nun warten eine Hand voll orangene Templestay-Besucher vor dem Bell Pavillon und beobachten die Mönche, die sich langsam positionierten. Ein Mönch in grauem Gewand und einem an der Schulter zusammengebundenen orangenen Tuch tritt vor eine große, bunt verzierte Trommel, die von der Decke hängt. Der Mönch hebt die Arme und beginnt zu spielen. Mit schnellen Schlägen, ohne erkennbaren Rhythmus fliegen zwei hölzerne Sticks über das Fell und auf den Rand der Trommel. Alle Stellen werden abgeklopft, mal lauter, mal leiser. Kreisende Bewegungen oder auf der Stelle. Nach einer Weile wechselt ein weiterer Mönch den ersten ab und spielt weiter; in seinem eigenen Rhythmus. Sie schlagen die Trommel, um die Lebewesen auf dem Land zu retten. Kurze Zeit später stellt sich ein weiterer Mönch neben den Trommler. Sie machen sich zum Wechsel bereit.

Nachdem weitere Mönche diese Position eingenommen haben, erklingt ein hölzerner Sound. Die Sticks schlagen im schnellen Wechsel an die Innenwände eines hohlen in Fischform geschnitzten Holzes. Dies soll die Lebewesen im Wasser befreien, jedoch auch daran erinnern, Tag und Nacht die Augen offen zu halten (wie ein Fisch) und nicht träge zu werden.

Für die Lebewesen im Himmel erklingt der Gong in Wolkenform.

Ein letzter Wechsel erfolgt und ein Holzbalken wird 33 mal gegen die Brahma Bell, eine große Glocke in der Mitte des Pavillons, geschwungen. Dies befreit alle Lebewesen aus der Hölle. Langsam versammelt man sich in der Main Hall, um zu beten. Unser Mönch kommt, um uns abzuholen.

7:30 – 8:00 pm: Chanting
Wenige Schritte später stehen wir vor dem Eingang des Gebäudes, in welchem drei goldene, schlanke Buddha-Statuen uns vom Altar aus entgegenblicken. Der leichte Duft von Räucherstäbchen liegt in der kühlen Abendluft. Der Mönch bedeutet uns, die Schuhe links von der Stufe zum Eingang auszuziehen und uns beim Eingang zu verbeugen. Ich betrete das erste Mal einen buddhistischen Gebetsraum und schaue mich unsicher um.

Auf dem Boden liegen Kissen, auf denen bereits Mönche und Templestay-Teilnehmer knien und warten. „Take a cushion“ flüstert uns unser Mönch zu. Kissen. Wo, was, wie, wohin? Er sieht unsere Unsicherheit, drückt mir ein Kissen von einem Stapel am Altar in die Hand. Unschlüssig drapiere ich es zu meinen Füßen. Ich bin nun direkt in der ersten Reihe. Das scheint richtig gewesen zu sein. Melissa kriegt ein Kissen hinter mir und der Mönch sucht sich ein Kissen in der letzten Reihe im mittleren Bereich, der den Mönchen vorbehalten ist. Wir Besucher sitzen an der Seite. Dann beginnt der Vorbeter und die anderen stimmen in seinen Singsang ein.

Sie verbeugen sich einmal mit dem Hapjang vor dem Altar. Ich werfe einen Blick hinter mich zu unserem Mönch. Er nickt mit dem Kopf. Also drehe ich mich wieder zu den Buddhas, lege meine Hände vor der Brust zusammen und verbeuge mich mit geradem Rücken. Das Einführungsvideo hatte uns bereits auf das vorbereitet, was jetzt kommt und ich gehe im Kopf schnell die Schritte durch.

Full Bow or Prostration

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Anleitung für eine volle Verbeugung beim Chanting

Im Chor sprechen die Mönche und Besucher die Gebete. Ich höre einen tiefen Bass neben mir, wo sich gerade einer der Mönche verbeugt und mit der Stirn das Kissen berührt. Links von mir hebt eine Teilnehmerin in Orange gerade ihre Handflächen zur Decke und stimmt ebenfalls ein. Aus dem Augenwinkel beobachte ich, wie sie sich aufrichten und die Hände zusammenlegen. Ich mache ihnen alles nach.

Wenn sie aufstehen, stehe ich mit ihnen auf. Wenn sie auf die Knie gehen, gehe ich ebenfalls runter. Wir beugen uns nach vorne, legen den Kopf zwischen unsere Hände und heben diese mit der Handfläche zur Decke. Immer wieder wiederholen die Anderen im Chor die mir unbekannten, chinesischen Wörter und ein Mönch in der Mitte schlägt zwischendurch auf eine Art Klanghölzer. Langsam habe ich den Rhythmus verstanden, höre auf die Hölzer und schaue immer wieder heimlich, was der Mönch neben mir tut. Wenn ich mir sicher bin, was als nächstes kommt, schließe ich die Augen anstatt auf ein Schild auf der Box vor mir oder auf die bunten Schnitzereien am Altar zu starren. Ich möchte mich gerne umdrehen und die Mönche beobachten, den Innenraum betrachten und jedes Detail aufnehmen. Doch das fühlt sich falsch an, also lausche ich ihnen nur und versuche mir den Geruch, die leichte Frische der Nachtluft und ihre Stimmen einzuprägen.

8:00 – 8:20 pm: Vorbereitung zur Meditation
Nach Ende des Gebets kommt unser Mönch zu uns. Wir sollen die Kissen einfach zusammenklappen und ihm wie besprochen zur Meditation in ein anderes Gebäude folgen. Auch hier verbeugen wir uns, bevor wir den Raum betreten. Der Mönch zündet Kerzen an einem kleinen Altar an, auf welchem wieder einen goldene, jedoch weitaus kleinere Statue steht, und bedeutet uns, wieder ein Kissen zu nehmen. Doch wohin damit? Ich lege es auf den Boden parallel zu seinem. Er nimmt es und dreht es so, dass wir in einem Dreieck sitzen und ihm zugewandt sind.

Er beginnt von der Kraft der Meditation zu erzählen. Der Kunst, seinen Atem bewusst wahrzunehmen, sich vor Augen zu führen, dass nur das Hier und Jetzt zählt. Nicht die Vergangenheit, nicht die Zukunft. Dieser Moment. Denn wir können und sollen dankbar sein, dass wir atmen.

Wir sollen uns ein weiteres Kissen holen, damit er uns die unterschiedlichen Sitzpositionen beim Meditieren zeigen kann. Ich verstehe nicht ganz wohin damit und lege es unschlüssig vor mein bereits auf dem Boden liegendes Kissen. „No, do it like this“, erklärt uns der Mönch und zeigt sein zusätzliches zusammengefaltetes Kissen, auf welchem er sitzt, und klappt mein Kissen mit einer schnellen Bewegung zusammen. Ich bin froh, dass Geduld neben Großzügigkeit, sinnvollem Verhalten, begeisterter Tat, Meditation und Weisheit zu einer der sechs Paramitas des Buddhismus gehört. Er darf also gar nicht genervt von unserer Verplantheit sein, wenn wir nicht verstehe, wo denn jetzt diese Kissen hinmüssen.

Nachdem wir uns endlich positioniert hatten, zeigte er die verschiedenen Schneidersitz-Versionen und bei der, bei welcher beide Füße auf den Beinen liegen statt darunter, haben wir so unsere Probleme. Wie die meisten Europäer, bemerkt er.

Unser Mönch spricht über Puta und ich wundere mich, was er sagt. Puta? Das ist doch dieses schlimme spanische Schimpfwort, rätsele ich, bis mir klar wird, dass er über Buddha spricht. Er hat einen starken Akzent und ich habe Probleme ihn zu verstehen. Puta ist in uns. Wir sind Puta. Wir verstehen das jetzt noch nicht, doch eines Tages werden wir vielleicht auf diesen Moment zurückblicken und wir werden verstehen. Er hat ein Gleichnis für uns: Wenn man einen Berg besteigen möchte und einer Straße folgt, sieht man in dem Moment den Berg nicht mehr. Man sieht nur die Straße, den Weg. Aber nicht den Berg.

So ganz verstehe ich nicht was er meint und reime mir den Rest zusammen. Man sieht das Ziel erst, wenn man es erreicht hat nicht schon, wenn man noch auf dem Weg dorthin ist. Er gibt sich Mühe seine Gedanken, seine Philosophie und die Lehre Buddhas zu erklären, doch seine Gedanken werden durch das Englisch gebremst, wie er so später schön sagte. Wir versuchen zu lauschen und so viel wie möglich mitzunehmen.

Morgen früh treffen wir uns um 3:30 Uhr zum Beten und danach zum meditieren. Um 4:30 Uhr.

9:00 pm: Sleeping time
Wir machen es uns auf unserem Lager auf dem Boden gemütlich. Nur eine dünne Decke ist zwischen uns und dem Boden. Doch von diesem steigt Wärme auf. Wir haben eine Fußbodenheizung. Das Klackern von Klanghölzern dringt von draußen hinein. Wir sind bereits um 20:45 Uhr eingeschlafen.

3:30 – 4.30 am: Chanting
Eine deutlich kleinere orangene Gruppe findet sich um 3:30 Uhr vor dem Beomjonggak, dem Bell Pavillon, ein. Wir unter ihnen, dick eingepackt unter unserem Zweiteiler.

Wir folgen dem Mönch während der letzten Glockenschläge wieder in den Main Temple. Schuhe aus, verbeugen uns am Gebäudeeingang und abermals, als wir vor den Kissen stehen. Dann knien wir uns hin und warten, bis der Singsang beginnt.

Als die Klanghölzer in kurzen Abständen geschlagen werde, weiß ich bereits, dass wir uns nun zur llinken Seite drehen werden und den Singsang an ein Bildnis richten. Oder doch zu den vielen kleinen dicken Buddhastatuen, die in kleinen Regalen in der Wand platziert sind und von elektronischen Teelichtern golden erleuchtet werden? Ich entscheide mich einfach für die kleinen Buddhas. Zum Schluss drehen wir uns um 180 Grad und verbeugen uns (wo jetzt genau hin weiß ich gar nicht) und dann beugen wir ein letztes Mal unseren Rücken vor den drei Buddha-Statuen auf dem Altar.

Wir legen die Kissen wieder neben den Altar und folgen dem Mönch zur Meditation.

4:30 – 4.50 am: Meditation mit einem Mönch
Wie gestern gelernt, machen wir, als unser Mönch einmal mit einem gespaltenen Bambusstab in seine Hand schlägt, einen Hapjang. Drei Schläge und wir machen einen Full Bow, bei welchem wir unsere Stirn auf das Kissen ablegen. Dann setzen wir uns. Nein, nicht wieder das Kissen in ein Dreieck schieben, sondern einfach so parallel nebeneinander liegen lassen. Hier noch ein kleiner Ruck vom Mönch und das von mir verschobene Kissen liegt wieder an Ort und Stelle. Wir nehmen unsere bevorzugte Schneidersitz-Version ein, verschränken die Finger locker ineinander und legen die Hände mit den Handrücken in unseren Schoß. Die Daumen berühren sich leicht.

Wir strecken uns in dieser Position nach rechts und links und lassen den Kopf kreisen. Dann schließen wir die Augen und konzentrieren uns auf unseren Atem. Die erste Stufe der Meditation ist es, die Gedanken zu stoppen. Einfach aufhören zu denken, indem man sich nur auf den eigenen Atem konzentriert. Im eigenen Tempo atmen wir ein und aus. Eeeeiiin und auuuus. Eeeeeeeeeeeein und wieder auuuuuuus. Fünf Minuten lang schaffe ich es tatsächlich nur an meinen Atem zu denken und mich auf zu konzentrieren. Dann beginnt mein Rücken zu schmerzen und mein Bein schläft ein. Für die nächsten 15 Minuten kann ich mich nur auf meinen Rücken und mein Bein konzentrieren und beginne rumzuzappeln. Rücken strecken, Beine lockerer verschränken. Määäh, Aua, es pritzelt denkt nun mein Kopf. Dann noch ein Hustenreiz. Das läuft ja richtig.

Ich öffne immer wieder meine Augen und schiele auf die Uhr oder blicke zu unserem Mönch, der zwischen uns sitzt. Wie in Trance wippt er immer wieder nach vorne. Er hatte uns zuvor erzählt, dass er mit der Meditation einen Status der Glückseligkeit erreichen konnte, aus der er manchmal am liebsten nicht mehr zurückkehren möchte. Das wäre für ihn das Paradies, das Nirvana. Und wir könnten das auch erreichen, denn Meditation sei Übungssache. Ich erwischte mich tatsächlich auf dem Rückweg im Bus dabei darüber nachzudenken, ob ich nicht einfach einmal meine Augen schließen sollte und auf meinen Atem hören sollte. Habe ich dann aber doch nicht getan. Aber was ist, kann ja noch werden, oder?

7:00 – 8:00 am: Hiking
Nach einem kleinen Powernap, der nun jedes Mal für den Programmpunkt „Relaxation“ eingesetzt wurde, und dem Frühstück holte uns unser Mönch ab und wir begleiteten ihn zu einer kleinen Wanderung oder besser gesagt zu einem Spaziergang.

Der Boden war nass und Tropfen klopften leise auf unsere Regenschirme, die am morgen für uns an unserer Unterkunft bereitlagen. Die Blätter des Waldes um uns herum waren bereits gold und rot gefärbt. Auch hier gibt es einen Indian Summer. Während wir über Buddha und die Welt sprachen, schlenderten wir zu einem kleinen Tempel hinauf. Wir zogen auf der Stufe zu einer überdachten Plattform die Schuhe aus, schlüpften in die dort bereitstehenden Latschen und setzten uns an einen Tisch mit dem Blick auf den Weg, von dem wir kamen.

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Nebelschwaden hängen morgens in den Bergen

Es war ganz ruhig um uns herum und während wir die Nebelschwaden beobachteten, die langsam die Berge hinauf wanderten, kamen mir die Worte des Mönchs in den Sinn. Genieße das Hier und Jetzt. Das kann das Paradies sein.

Als uns frisch wurde, machten wir uns auf den Rückweg. Irgendwann meinte unser Mönch, wir sollten den Schirm während des Gehens mit beiden Händen vor uns halten und den Körper seitwärts hin- und herdrehen. Man könnte dies auch ohne den Schirm machen und einfach nur während jeden Schritts den Oberkörper drehen. „What does this mean?“ frage ich ihn. War dies vielleicht Bestandteil der Walking Meditation oder eine spirituelle Übung im Buddhismus? Das ist gegen Fett, antwortet er trocken, und kneift sich selbst in den nicht vorhandenen Hüftspeck.

Na, da soll mal einer sagen, koreanische Mönche seien nicht weltlich und wissen nicht, was die wirklichen Probleme der Menschen sind.

8:00 – 11:00 am: Relaxation = Powernap

11:30 – 12:00 am: Lunch

Nach dem Essen packten wir unsere Sachen und gaben die Uniformen ab. Leider konnten wir unserem Mönch nicht abschließend Goodbye sagen, doch zum Glück hatten wir uns bereits mehrfach bei ihm dafür gedankt, dass er sich Zeit für uns genommen hatte, denn ohne ihn wären wir nicht geblieben.

Als wir den Tempel hinter uns ließen und den Berg zum Dorf hinabstiegen, sprachen meine Cousine und ich über das, was wir dieses Wochenende erlebt hatten. Es war anders als erwartet und der Anfang etwas holprig, doch Bildchen malen und Lotusblumen basteln, hätten nun wirklich nicht hierhin gepasst.

Ob ich erleuchtet wurde? Das eher nicht, doch es war eine interessante Erfahrung, denn wie viele Leute haben bereits mit einem Mönch meditiert, bis der Fuß einschläft?

 


 

Buchung eines Templestays in Südkorea
Es gibt viele Orte und Tempel, in welchen man einen Tempelstay machen kann, um den Alltag der Mönche und den Buddhismus besser kennenzulernen. Die Tempel bieten unterschiedliche Programmpunkte an. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass das tatsächliche Programm von dem auf der Website angegebenen abweichen kann.

Die Buchung kann direkt über die Website templestay.com erfolgen

oder über das Templestay Information Center in Insa-dong, Seoul, wo die Mitarbeiter bei der Buchung (auch über die Website) behilflich sind. Hier kann man sich zuvor über alle Standorte der am Templestay teilnehmenden Tempel in Südkorea, mögliche Programmpunkte und Hin- und Rückfahrt informieren lassen.

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