Südkorea: Außerhalb der internationalen Blase Seouls

Ein Blick entlang des Highways
Es geht für meine Cousine Melissa und mich das erste Mal auf eigene Faust in die große weite koreanische Welt außerhalb der internationalen Blase Seouls. Unser Hilfsmittel: Ein Zettel.

Die netten Mitarbeiterinnen des Templestay Information Centers in Insa-dong, Seoul, hatten uns eine Wegbeschreibung mit der Abfahrtszeit unseres Busses nach Gimcheon, der nächstgrößeren Stadt in der Nähe des Tempels, in welchem wir für eine Nacht unter Mönchen übernachten werden, mitgegeben. Hierauf stand auch der Name des Dorfs Jikjisa sowohl in lateinischer Schrift, als auch in koreanischen Zeichen, in welches wir dann mit einem lokalen Bus weiterfahren mussten und wo sich dann der Tempel befand. Mehr Infos brauchten wir ja eigentlich nicht. Also erst einmal los und wenn das Englisch nicht weiterhilft, einfach mit Händen und Füßen probieren. Irgendwie klappt alles, ist eh meine Devise. Ein bisschen Freestyle macht alles spannender.

Vor Ort am Seouler Terminal kauften wir die Tickets am Schalter und die Mitarbeiterin zeigte uns den Preis im Taschenrechner. So machen es viele auch in Geschäften, da wir Langnasen die auf koreanisch genannten Preise ja nicht verstanden. Alle weitere Informationen wie Plattform und Sitznummer standen auf dem Ticket. So Englisch, so unkompliziert. Zu billigen Fernbuspreisen fanden wir uns in einem luxuriösen Exemplar mit riesiger Beinfreiheit und Fußablage wieder. Mit faszinierender Pünktlichkeit parkten die Busse auf den verschiedenen Haltebucht im Sekundentakt nacheinander rückwärts aus und in einer Kolonne verließen wir das Terminal.

Ich freute mich darauf, quer durch das Land zu fahren, um einen kurzen Blick auf die Umgebung außerhalb von Seoul zu erhaschen. Ich muss zugeben, ich war ein bisschen enttäuscht von der Aussicht, die an unserem Fenster vorbeizog. Vereinzelte riesige Hochhauskomplexe im Plattenbaustil hoben sich wie Leuchttürme von ihrer Umgebung ab. An vielen Stellen wirkte es so, als habe man auf einen Anwohner-Ansturm reagieren müssen und zog mitten in den Städten exakt identische Gebäude hoch. In meinen Vorstellungen warteten schnuckelige Häuschen entlang des Highways auf uns, die im vorbeihuschen Korea einen besonderen Charme geben würden. Doch vor dem Hintergrund der Geschichte Südkoreas, der ständigen Kriege, der Armut, die noch vor zwei Generationen in diesem Land herrschte, ein Wunschdenken, das nicht mit der Vergangenheit Koreas zusammenpasst.

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Identisch Hochhäuser ragen wie Leuchttürme aus Städten hervor

Als wir drei Stunden später in die Stadt Gimcheon einfuhren, leuchteten uns von überall leuchtend blaue, gelbe und rote Banner mit ebenso quietschbunten koreanischen Schriftzeichen entgegen. Große verblichene, ehemals grelle Schilder mit überdimensionalen Zeichen prangten an den grauen Fassaden der Geschäfte. Zusätzlich halfen einige Ladenbesitzer mit LEDs nach, um in ihr Geschäft zu locken. Anders als in Seoul entdeckte ich keine englischen Beschreibungen mehr und da wussten wir – jetzt beginnt die nonverbale Verständigung.

Anfahrt mit Händen und Füßen
Mit unserem Zettel bewaffnet, traten wir an den Ticketschalter zu einem älteren Mann und zeigten auf das Wort 직지사 (Jikjisa). Als er auf koreanisch antwortete und unsere verständnislosen Gesichter sah, kam er kurzerhand hinter dem verglasten Schalter hervor und deutete in Richtung einer Schiebetür, die nach draußen führte, wo bereits einige Busse warteten. Wir gingen vor ihm her und warfen verunsichert immer wieder einen Blick zu ihm über unsere Schulter. Er folgte uns und wies immer wieder mit ausgestrecktem Arm vor uns. Unbeholfen stolperten wir immer weiter, denn wir wussten ja nicht, wann wir an der richtigen Haltebucht ankommen würden. Natürlich war es die letzte. Dort setzte er sich auf einen kleinen Pfosten in unserer Nähe und wartete mit uns, bis unser Bus kam.

Als dieser vorfuhr, sprach unser Wegbereiter mit dem Fahrer, der uns in den Bus hinein winkte. Da wir nicht wussten, wie viel die 25-minüte Fahrt kosten würde, kramte ich aus meinem Portemonnaie 10.000 ₩ (~ 8 €) raus und hielt sie ihm hin. Ein Kopfschütteln bedeutete mir, dass das nicht passte und der Busfahrer hielt drei Finger in die Höhe und zeigte auf eine Box mit einem Schlitz vor ihm. Unbeholfen kramten Melissa und ich in unseren Geldbeutel herum und suchten kleines Geld. Irgendwann fischte meine Cousine 3.000 ₩ [~ 2,4 €) raus und warf sie in die Box. Ich wollte ebenfalls meinen Betrag einwerfen, doch mit den 3.000 ₩ waren bereits die Tickets für uns bereits beglichen. Der Fahrer winkte uns durch, wir hoben die Hand zum Dank zum Ticketschalter-Mann und machten es uns bequem. Mit offenem Fenster und der Sonne im Gesicht ging es in die Berge.

Einen Tag später, als Melissa nach Seoul zurückfuhr und ich fünf Stunden später nach Gyeongju, einem Städtchen mit den meisten historischen Gebäuden Südkoreas, passte der Ticketschalter-Mann wieder auf uns auf und stellte sicher, dass wir 20 Minuten später immer noch an der richtigen Haltebucht stehen, dass wir in den richtigen Bus steigen und auch, dass ich in der richtigen Stadt ankomme. Hierfür drückte er dem Busfahrer mein Ticket in die Hand, redete eindringlich auf ihn ein und zeigte dabei auf mich. Der Busfahrer klemmte sich mein Ticket dann auch gleich an die Armatur. Habe es dann aber auch alleine geschafft richtig auszusteigen, doch die Koreaner lassen einen so schnell nicht an der falschen Haltestelle stehen – ob mit oder ohne Englisch.

 


 

Tipps zum Reisen mit öffentlichen Bussen und Taxis in Südkorea

  • Zettel mit Informationen zusammenstellen, um diesen am Ticketschalter vorlegen zu können (Wichtig: Zieldestination in koreanischen Zeichen und lateinischen Buchstaben). Falls bereits bekannt Wunschuhrzeit aufschreiben.
  • für die Weiterfahrt mit lokalen Bussen: Die Preise für lokale Busse sind sehr niedrig. Ausreichend Münzen und 1.000 ₩-Scheine bereit halten. Vor dem Busfahrer steht oft eine durchsichtige Box. Hier wird der Betrag eingeworfen. Wechselgeld erhält man in Münzform zurück.
  • für die Weiterfahrt mit dem Taxi: Name und Adresse des Hotels ebenfalls auf koreanisch aufschreiben. Auch die Telefonnummer des Hotels ist hilfreich, falls der Taxifahrer das Ziel nicht kennt. Und falls alle Stricke reißen lasst euch zur 안내 ((Tourist)information) bringen. Die Mitarbeiter können euch dort sicherlich weiterhelfen, indem sie dem Taxifahrer die Adresse auf koreanisch nennen und ggf. noch einmal kurz im Internet recherchieren. Das hat uns bereits einmal geholfen.
  • Falls vorhanden Broschüren vom Zielort mitnehmen (Hotel/Tempel o.ä.)

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