Südkorea: Templestay light in Seoul

Die asiatische Kultur und die Bedeutung der Religion im Alltag der Menschen faszinieren mich. Bereits in Indonesien und Singapur konnte ich an keinem Tempel vorbeigehen, ohne den Gebeten zu Lauschen, wenn möglich einen Blick ins oft bunt verzierte Innere zu erhaschen und den Duft der Räucherstäbchen tief einzuatmen. Als mein Vater und ich Anfang des Jahres vor dem chinesischen Tempel Kwan Im Thong Hood Cho in Singapur standen und die betenden Menschen beobachteten, trat ein kleiner, alter Mann auf uns zu und lud uns ein, ihm in den Tempel zu folgen. Eine wunderschöne Erfahrung, die ich so schnell nicht vergessen werde. Hier findet ihr die Geschichte dazu.

Bei meinen Reiserecherchen über Südkorea stolperte ich immer wieder über das Wort „templestay“. Da spitze ich natürlich die Ohren. 24 Stunden unter Mönchen in einem echten Tempel. Man meditiert mit ihnen, lernt ihre Rituale und ihre Religion (Buddhismus) näher kennen und steht morgens mit ihnen um 3:30 Uhr auf. Und alle, die mich etwas näher kennen oder mit mir arbeiten, wissen, dass es schon ganz schön was bedeuten muss, wenn ich freiwillig vor 6 … ach.. sind wir ehrlich …vor 7 … ja, okay … vor 9 aufstehe. Mh … wenn ich recht überlege … es muss was bedeuten, wenn ich freiwillig aufstehe. Am Wochenende werden meine Cousine und ich also trotzdem im Jikjisa Temple koreanischen Mönchen sehr früh 안녕하세요(annyeonghaseyo) sagen (Google-Translator, lass mich jetzt nicht im Stich). Man muss halt auch mal Opfer bringen.

Also wir so unseren Aufenthalt im Templestay Information Center buchten, erfuhren wir dabei vom 6th Chrysanthemum Festival im Jogyesa Temple. „You can enjoy beautiful night view of Jogyesa Temple with music and experience Korean traditional culture after sunset.“ Und das haben wir zutiefst enjoyt!

Der Tempel, mitten im Herzen Seouls, erstrahlte in bunten Farben und als wir etwas zu früh ankamen, schollen tiefe, einstimmige Gebete aus seinem Innenraum. Drei beleuchtete Sitzgruppen mit Tischen standen bereit und entzückende Damen erklärten den Besuchern wie man bunte Chrysanthemen aus Papier bastelt, wie man Dasik – traditionelle koreanische Tee-Kekse – richtig in eine Form presst und wie man sich bei der Meditation auf seinen eigenen Atem konzentriert.

Wir entdecken unsere künstlerische Ader beim Papier-Chrysanthemen basteln

Making Dasik and Tea Tasting
Dasik sind traditionelle koranische Kekse, die zum Tee gereicht werden. Doch mit dem Begriff „Keks“, was wir mit ihm verbinden, hat es nicht viel gemein. Wir setzen uns an den Tisch und bekamen von zwei traditionell gekleideten Damen frisch gepressten Tee in einem kleinen Tässchen serviert. Ein kleines Holzbrett mit Mulden stand vor uns bereit, worauf auf einer dünnen Folie, zwei schwarze und ein roter Ball platziert wurden. Die Folie wurde auch auf die Klumpen geschlagen und wir sollten sie platt drücken. Richtig schön platt, bis sie die Form der in den Mulden gravierten Verzierung annehmen.

Unsere Klumpen, aus denen schnell Kekse entstanden, bestanden aus schwarzen Sesam-Samen mit Honig und (roten) Bohnen. Es gibt jedoch noch andere Variationen dieser Keks-Art.

Meditieren unter Anleitung eines Mönchs
Nachdem wir unsere Stempel für die Blümchen und den Tee eingesammelt hatten, schlenderten wir zur dritten Tischgruppe, an welchem bereits ein Mönch saß. Eine junge Frau an seiner Seite übersetzte seine Worte und ihren Anweisungen folgend, setzen wir uns locker hin, jedoch mit gerade Rücken. Zeigefinger und Daumen bilden einen Kreis und die Hände werden mit den Handflächen nach oben auf die Knie abgelegt. Ein Gong und wir sollen uns auf unseren Atem konzentrieren. Wir können die Augen schließen oder tief nach unten schauen. Drei Gongs und wir versuchen zu meditieren. Immer wieder ruft uns die junge Frau mit sanfter Stimme in Erinnerung, dass wir uns auf unseren Atem konzentrieren sollen. Alles um uns herum ausblenden sollen. Warum stehen diese Typen so nah an unserem Tisch und quatschen? Ausblenden … Einatmen … und ausatmen …. ein weiterer Gong. Konzentration zurück auf den Atem. Drei Gongs – die Meditation ist vorbei. „Are you relaxed“ fragt sie uns. Ich lächle und entscheide mich für eine Mischung aus Nicken und Kopf schütteln. „Are you confused?“ fragt sie. Ich grinse und wackle noch einmal so mit dem Kopf, dass Platz für Interpretation bleibt. Man muss es nur täglich üben, erklärt sie uns. Dann kann jeder sein inneres Ich finden. Ob wir ein Fitzelchen dieses inneren Ichs bereits bei unserem templestay finden werden?

 


 

Tipp: Im Templestay Information Center könnt ihr euren Templestay in Korea buchen

Jogyesa Tempel
Der Jogyesa Tempel ist einer der wichtigsten buddhistischen Tempel Koreas und ein Symbol des koreanischen Buddhismus. Er befindet sich beim Stadtviertel Insa-dong, mitten im Herzen Seouls.

Chrysanthemum Festival at Jogyesa Temple
Zeitraum: Oktober – November; jeden Mittwoch von 7-9 Uhr
Teilnahme: 10.000 ₩ (~ 8 €)
Anmeldung: Am Eingang des Tempels

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