Tasmanien: Von Angesicht zu Angesicht mit dem aggressivsten Tier Tasmaniens

Nach und nach hatten sich uns die Tiere Australiens in der Wildbahn gezeigt. Pelikane, Emus, Schaferoos (Schafe getarnt als Kängurus), dann endlich auch Kängurus, Kookaburra, Koalas, Papageien, Schnabeligel, Possums, Wallabies, eine Red and Black Spider, eine Schlange, ein weißes Wallaby, Pinguine (gehört) und Tüpfelbeutelmader. Für einen Monat reisen eine gar nicht so schlechte Ausbeute. Doch uns fehlten noch 1-2 Tierchen. Bevor wir Australien verlassen, wollten wir noch Wombats und Tasmanische Teufel sehen.

Nachdem die Teufelchen lange Zeit gejagt wurden, stehen sie heute unter Naturschutz, doch ihr Bestand wird durch die Krankheit Devil Facial Tumor Disease bedroht. Diese Gesichtskrebserkrankung ist für den Menschen nicht gefährlich, doch für die Tasmanischen Teufel hochansteckend. Dieser Tumor wird durch Bisse übertragen – und die Teufelchen beißen sich regelmäßig gegenseitig, sei es bei der Nahrungssuche oder bei der Paarung – und verläuft tödlich. Wucherungen überziehen das Gesicht der Tiere und innerhalb weniger Monate, nachdem der Tumor sichtbar wurde, verhungern sie. Die Schwellungen und Knoten beginnen im Maul und irgendwann sind diese so groß, dass keine Nahrungsaufnahme mehr möglich ist. Bisher konnte kein Gegenmittel gefunden werden. Es wird vermutet, dass, wenn es so weitergeht wie bisher, die Tasmanischen Teufel in 20 bis 30 Jahre in der freien Natur ausgestorben sein werden.

Natürlich sind die Tiere nicht nur durch die Krankheit, sondern auch durch den Menschen gefährdet, noch heute werden die Tiere teilweise verbotener Weise vergiftet und getötet. Doch die wahrscheinlich größte Gefahr geht von den Autofahrern aus – das gilt für die gesamte Tierwelt. Auf den 5.800 km, die wir in unserem Monat Australien hinter uns gelassen haben, sahen wir so unglaublich viele tödlich verletzte Kängurus, Possums, aber auch Koalas und Tüpfelbeutelmarder am Straßenrand liegen.

Einige Monate, bevor es überhaupt feststand, dass wir Australien besuchen würden, sah ich eine Dokumentation über das Bonorong Wildlife Sanctuary (dt. (animal) sanctuary = Tierheim, Schutzzentrum). Die Mitarbeiter setzten sich sehr für die Sensibilisierung der Bevölkerung zum Schutz des Wildlifes ein und päppeln kleine Tier-Waisen auf, die in den Beuteln der überfahrenen Mütter überlebt haben, und entlassen sie dann wieder in die Wildnis. Manche Tiere, die aus verschiedenen Gründen (Verletzungen oder Albinos) nicht mehr ausgewildert werden können, finden dort ein sicheres Zuhause. Die Eintritts- und Spendengelder kommen diesem Projekt zugute. Wer ein bisschen mehr über das Bonorong Wildlife Sanctuary oder auch die Tasmanischen Teufel erfahren möchte – hier findet ihr die erwähnte Dokumentation.

Anstatt also in einen Zoo zu gehen, sparten wir uns den Besuch dieses Sanctuary bis zum Schluss unserer Reise auf. Und das war genau richtig gewesen! So hatten wir jedes einzelne Exemplar in der freien Wildbahn mit riesengroßer Freude und Spannung entdeckt und rasteten fast aus, als wir unsere erste scheue Känguru-Herde entdeckten.

Hier bekamen wir am Eingang eine Tüte Känguru-Futter und durften dann zu guter Letzt und ganz ohne schlechtes Gewissen die Tiere füttern. Große und kleine, sympathische und unsympathische Kängurus (ja, das gibt es), sanfte, die mit ihren weichen Lippen die einzelnen Körner ganz vorsichtig aus unseren Fingerspitzen holten und freche, die gar nicht genug bekommen konnten und deren Kopf beinah in meiner Handtasche verschwand. Wir streichelten ihr weiches Fell, darunter spürt man Muskeln und Knochen. Manche lassen sich an den Ohren zupfen, uns ihren Schwanz hochheben, andere gucken einen skeptisch an. Das eine oder andere Känguru hüpfte mit großen Sprüngen über die Wiese, die meisten anderen sonnten sich weit ausgestreckt am Boden. „Draw me like one of your french girls“, schienen sie zu sagen. Sie hielten Händchen mit uns, ließen sich am Hals kraulen und ein kleines Baby-Känguru guckte aus dem Beutel seiner Mutter.

Hier sahen wir auch bekannte Gesichter wie eine schwarze Schlange, sehr ähnlich der, die wir bei einem Walk im Mount Field National Park gesehen hatten. Hochgiftig, wie wir erst hier herausfanden. Alle Schlangen Tasmaniens sind hochgiftig. Man macht also definitiv nichts falsch, wann man ihnen nicht zu nahe kommt.

Auf der im Eintrittspreis enthaltenen Führung standen wir dann dem aggressivsten Tier Tasmaniens von Angesicht zu Angesicht gegenüber: Dem Wombat!

Jap, hier habt richtig gelesen. Dieses wundersüße, flauschige, Puppy-Dog-Eye-Wombat ist das aggressivste Tier Tasmaniens. Nicht der Tasmanische Teufel, nicht die Schlange. Nein! Dieses unglaublich süße, knuddelige Etwas! Wir wollten auch nicht so recht glauben, was wir da gerade gehört hatten. Doch sobald der Wombat mit zwei Jahren in Pubertät kommt, kann man ihn nicht mehr so auf dem Arm halten und hin und her schieben. Mit den Pfötchen winken oder streicheln lassen, wie der Guide es nun tat. Dann will der Wombat nichts mehr vom Menschen hören, wird aggressiv, wenn man ihm zu nahe kommt und man kann ihn ohne die Sorge, ihn vorher zu sehr an Menschen gewöhnt zu haben, in die Wildnis entlassen. Er schaut noch nicht einmal mehr zurück. Tapst einfach davon. Oder sprintet mit einer Spitzengeschwindigkeit von 40 km/h. Ja, auch ich konnte auch das kaum glauben. Doch es kommt noch besser.

Während sich der Pfleger die verschlafene Jess auf den Schoß setzt, ihr auf den Bauch klopft, wie ein Säugling hält und man gar nicht glauben kann, wie UNGLAUBLICH SÜSS dieses Tierchen ist, und wie man jemals ohne es leben konnte, erzählt er uns dieses faszinierenden Fakten. Doch noch faszinierender und verrückter, als dass dieser geschmeidige Kloß irgendwann einmal so aggressiv wird, ist seine Verteidigungsstrategie. Auf Tasmanien leben die Wombats in einer kleinen (fast) perfekten Welt, denn sie haben keine natürlichen, wirklich gefährlichen Feinde. Während ihre Verwandtschaft auf dem mainland die dort eingeführten Dingos fürchten müssen, müssen sie sich hier nur mit Hunden herumschlagen, und dafür reicht ihre instinktive Verteidigungstechnik aus. Mit 40 km/h sausen sie in ihren nie weit entfernten Bau, schlüpfen hinein und verschließen ihn mit ihrem Hinterteil. Heißt, ihr Poppes schaut noch ein Stück raus. Doch warum denkt man sich? Der Hund ist doch immer noch hinter ihm her und wird doch bestimmt hinein beißen. Doch das juckt das Wombat wenig, erklärt der Pfleger, rollt Jess herum, sodass sie uns ihren Hintern entgegenstreckt, und klopft auf ihr Hinterteil. Denn dort haben sie keine Nerven und so etwas wie eine Knochenplatte, die so einiges aushält. Diesen steinernen Popo dürfen wir am Ende auch alle einmal streicheln, während Jess gemütlich auf dem Arm des Guides chillt.

Eine sehr passive Verteidigungsstrategie mag man sich denken, das kann ja ganz schön lange dauern, überlegt man. Doch wenn der Wombat keine Lust mehr darauf hat angenagt zu werden, macht er sich ganz klein, sodass auf einmal Platz zwischen seinem Körper und der Decke des Baus ist. Diese besteht meist aus Steinen oder Wurzeln. Der neugierige, nichts ahnende Hund steckt seine Schnauze weiter in den Gang hinein und da drückt sich der Wombat hoch, knallt den Kopf des Hundes gegen die Decke, macht sich wieder kleine und drückt sich wieder hoch. So lange, bis der Hund Reißaus nimmt. Kaum zu glauben, auf was für verrückte Ideen die Natur und ihre Wombats kommen. Ach ja, sie kacken außerdem quadratische Köttel.Der Rest ist ja auch noch nicht verrückt genug.

Jess wird wieder abgesetzt, noch einmal der Kopf gestreichelt und es geht weiter zum Gehege des Tasmanischen Teufels. Für sie ist es eigentlich gerade 2 Uhr nachts, denn sie sind nachtaktiv. Doch für die zahlenden Kunden wird er für einen kleinen Nacht-Snack mit Küken und einem Stück Känguru-Schwanz hervorgelockt. Schüchtern und gleichzeitig neugierig schauen zwei Köpfchen aus dem Bau heraus. Das Weibchen hatte geworfen und zwei ihrer Sprösslinge waren munter, oder vielleicht auch hungrig genug, um für uns herauszukommen. Während der Pfleger vorher noch mit dem Wombat geschmust hatte, hielt er jetzt Abstand. Auch wenn die Tasmanischen Teufel keine Jäger, sondern Aasfresser sind, können sie mit einem einzigen Biss das Handgelenk eines Menschens durchbeißen. Fauchen können sie natürlich auch sehr schön. Teuflisch. Daher haben die Tiere auch ihren Namen bekommen, denn als die Entdecker Tasmaniens ihr fauchen hörten, glaubten sie, dass es aus der Unterwelt kommen muss.

Ich konnte mich von ihrem Anblick gar nicht fortreißen, während die anderen bereits bei den Koalas waren. Kenne ich doch schon, dachte ich mir mit einem fetten Grinsen auf den Wangen. Doch aus der Nähe sahen sie doch noch einmal eine ganze Ecke größer aus. Hart chillen können sie aber auch hier in Bodennähe. Der Pfleger nahm einen Koala, wie ein Riesenbaby auf den Arm und auch hier gab es von jedem Besucher eine Streicheleinheit.

Und so kann ich einen weiteren Punkt (Nr. 9) meiner Australien-To-Do-Liste abhaken: Einem Koala so nah wie möglich kommen, ihn streicheln und ein schönes Erinnerungsfoto machen: Check.

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