Tasmanien: Pinguine auf Bruny Island?

Chris und ich setzten von Kettering in nur 20 Minuten und 30 $ (1 Fahrzeug, return) mit der Autofähre nach Bruny Island über. Dieses Inselchen (362 m²) liegt vor Tasmanien und ist vor allem durch seine Albino-Wallabies bekannt. Diese weißen Tiere konnten sich aufgrund der fehlenden Feinde auf Bruny Island vermehren und ab und zu hoppelt ein heller Fleck über die Wiesen. Ob wir auch eins sehen werden?

Bruny Island besteht aus einer Nord- und Südinsel, welche nur durch einen dünnen Dünenstreifen verbunden sind. Zwischendurch rumpelt unser Auto immer wieder über unbefestigte Schotterstraßen, nicht nur mitten in der Pampa, sondern auch über ebendiesen Dünenstreifen. Hier liegt auch der wohl bekannteste Aussichtspunkt der Insel: „The Neck“. Nach 273 Stufen erreichen wir die Plattform, von welcher wir einen unglaublich weiten Blick über die Inseln und die Meere haben.

K800_IMG_1638

Während ich diese Stufen emporstieg entdeckte ich im Hügel überall Bauten und kleine Vogel-Fußstapfen. Es roch seltsam – nach Getier. Und dann wusste ich es: Es riecht nach Pinguinen! Okay, das Hintergrundwissen dafür hatte ich von den Schildern, welche am Fuße der Treppe aufgestellt waren. Doch dann war es mir klar. Genau so riechen Pinguine!

Auf unserer Reise hätten wir bereits mehrfach die Gelegenheit gehabt, Pinguin-Beobachtungs-Touren zu buchen. Doch bei einer Pinguin-Vorhersage von 5-7 Exemplaren und einigen Euros passten wir bisher. Hier am Neck schienen sie jedoch jeden Abend nach Sonnenuntergang, im aller, aller letzten Tageslicht in großen Gruppen vom Meer, über den Strand und in ihre Bauten im Hügel zu klettern. Ohne Führung, ohne Buchung, nur das Meer, die Pinguine und wir. Also schrieben wir uns dieses Erlebnis auf unsere Tagesagenda und wollten Abends zur hoffentlich zahlreichen Pinguin-Sichtung zum Neck zurückkommen. Bis dahin blieben noch viele Tageslichtstunden und so machten wir uns an die Erkundung Bruny Islands.

Stetig auf der Suche nach Wellen, fuhren wir einmal quer über die Südinsel zum Cloudy Beach. Doch hier war nichts mit surfbaren Wellen und so hielten wir einfach mit Blick auf das Meer und während der Wind an unserem Campervan ruckelte, machten wir es uns auf den Vordersitzen gemütlich und lasen. Entschleunigen nennt man das heutzutage.

K800_IMG_4034

Wir fuhren wieder zurück ans andere Ende der Südinsel (also an dessen Norden) zum Adventure Bay. Bisher konnten wir noch nicht ganz nachvollziehen, warum Bruny Island als kleines geheimes Schätzchen Tasmaniens bezeichnet wird. Doch als wir Adventure Bay erreichten, wurde es uns klarer. Obwohl der Himmel bewölkt war und es so aussah, als ob wir gleich ordentlich nass werden würden, war das leichte Plätschern des Meeres, das bis auf winzig kleine Wellen direkt am Strand, vollkommen glatt vor uns lag, so unglaublich beruhigend und doch faszinierend, dass wir dort erst einmal nur herumstanden und die Ruhe genossen.

Als wir uns einig waren, dass wir doch nicht nass werden würden, zogen wir uns wieder die Schuhe an und sattelten den Rucksack, um einen kurzen Walk zum Glass Point zu machen. Die Sonne kam raus, spiegelte sich im hellblau des Meeres und ein kleines Baby-Wallaby nahm uns an der Küstenspitze in Empfang. Von hier aus kann man seinen Weg zur Spitze des Fluted Cape weiterführen (2 ½ Stunden return, steil). Taten wir nicht, wir schlenderten lieber zurück.

Langsam senkte sich die Sonne hinab und wir machten uns zurück zur Aussichtsplattform „The Neck“. Auf einmal stoppte Chris das Auto und bedeutete mir schnell auszusteigen. Auf einem Hügel in der Nähe der Straße saß tatsächlich ein Albino-Wallaby. Ein schneeweißer Punkt auf einer grünen Wiese mit Wimpern, die jede Frau neidisch machen.

Ich stehe wieder auf der Aussichtsplattform „The Neck“, während die Sonne goldgelb hinter den Hügeln der Südinsel versinkt. Der Himmel färbt sich rosa und der Wind pfeift mir um die Ohren und zupft an meiner Kleidung. Am Auto wechsle ich diese und packe mich so dick wie möglich ein, um gemütlich auf die Pinguine warten zu können. Wir positionieren uns mit 11 anderen potenziellen Wildlife-Beobachtern an einer Plattform nahe des Strandes. Der Sichtschutz soll uns verstecken, damit die Pinguine ungestört an Land können. Immer wieder luschern wir durch die Schlitze, mit bloßem Auge oder mit Fernglas. Das Tageslicht nimmt immer weiter ab und je dunkler es wird, desto aufgeregter und ungeduldiger werde ich.

K800_IMG_4162

Ich schwanke zwischen Langeweile und Spannung. Zwischen Hoffnung und je weniger man seine eigene Hand vor den Augen, geschweige denn einen Pinguin am Strand sehen kann, Resignation. Dann wieder Hoffnung – wir sehen bestimmt welche, ich muss nur angestrengt gucken! Zwischendurch versuche ich auf meinem Kindle zu lesen um mich abzulenken. Stelle die Helligkeit so niedrig wie möglich, um die Pinguine nicht zu verschrecken und stecke es zusätzlich in meine Tasche. Tief in diese gebeugt versuche ich die Wörter zu entziffern, schaue immer wieder auf, damit ich nichts verpasse, versuche wieder zu Lesen und packe das E-Book dann doch weg.

Plötzlich bedeutet mir Chris aufgeregt zu ihm zu kommen und zeigte auf einen Fleck rechts von der Plattform. Nachdem er zunächst ganz kurz eine Möwe für einen Pinguin gehalten hatte, hat er jetzt tatsächlich durch sein Fernglas zwei kleine Gestalten am Strand entlang watscheln sehen. Nicht auf unserer erwarteten Route direkt vor uns, sondern viel weiter rechts. Doch so viel ich auch spähte, ich sah nichts. Es war bereits so Dunkel, dass man nur noch Schemen erahnen konnte. Resignation.

Doch dann hörte ich es hinter uns rascheln. Ich lief ganz langsam und leise den Weg über die Holzplanken zurück Richtung Auto. Es raschelte immer mehr und es krakelte. Ein kleiner Schatten huschte rechts von mir herum. Ein Pinguin! Oder genau gesagt: Die Schemen eines Zwergpinguins! Überall um uns herum raschelte es und der Geruch hatte zugenommen. Die Pinguine waren über einen anderen Weg hinter uns herum zu ihren Nistplätzen gekommen, während wir wie gebannt auf den Strand starrten. Die Pinguine hatten uns ausgetrickst.

Ich versuchte weitere zu entdecken, schließlich hörte ich eine Menge von ihnen, doch es war zu dunkel. Ein Pärchen leuchtete mit einer Taschenlampe die Pinguine an, doch da ich eine gute und möglichst nachhaltige Wildlife-Beobachterin bin, schloss ich mich nicht an. Dies stresst die Tiere und kann möglicherweise dazu führen, dass sie sich nicht mehr trauen hier an Land zu gehen. Sie verlieren ihre Nistplätze. Ich spähte und spähte, wünschte mir zwischendurch auch eine Lampe zu haben, doch ich riss mich zusammen.

Heute kann ich sagen: Ich habe Zwergpinguine in der freien Wildbahn gehört!

Mittlerweile war es stockduster und wir mussten uns noch einen Schlafplatz suchen. Langsam fuhren wir Richtung Fähre, da wir am nächsten Tag wieder auf Tasmanien übersetzen wollten. Auf einmal lief ein Possum mitten auf der Straße auf unserer Spur. Es rumpelte einmal. „Das war nur der Schwanz“, versicherte mir Chris. „Sonst hätte es viel mehr gerummst.“ Ich möchte ihm glauben und tue es einfach. Damit ich mich besser fühle.

Trotzdem fuhren wir jetzt noch langsamer. Mit 25 km/h schlichen wir über die Straße und immer wieder huschte ein Tierchen über die Straße, oder stand am Rand. Possums und gepunktete kleine unbekannte Wesen. Da dachten wir uns – machen wir doch eine Foto-Nachtsafari draus! Also machte ich mich bereit, während Chris das Tempo noch weiter drosselte. Schnallte mich ab, kurbelte das Fenster runter und schraubte meine Festbrennweite, als lichtstärkstes Objektiv, drauf. Sobald wir ein Tierchen sahen, sprang ich raus und versuchte es zu fotografieren, während es im Licht der Scheinwerfer saß und schaute. Vor allem den Eastern Quoll, dt. Tüpfelbeutelmarder, dieses unbekannte gepunktete Wesen, waren einfach zu putzig!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s