Tasmanien: Das Goldstück der Kathedrale

Orangerote Flechten überziehen die Steine der passend benannten „Bay of Fires“. Doch eigentlich benannten die Entdecker die Bucht nach den Feuern der Aborigines, die sie am Strand sahen. Auf unserer Rundreise über Tasmanien machten wir dort im Nordosten der Insel einen kurzen Halt und ich kletterte in Flip-Flops über die Steine an den Strand, um diese orangenen Flechten näher betrachten zu können.

Bisher hatte sich die groß versprochenen Wildnis Tasmaniens noch nicht richtig vor uns ausgebreitet. Abgesehen von dem paradiesisch schönen Freycinet National Park, in welchem wir zum leuchtend weißen Strand der Wineglass Bay wanderten, sahen wir vielmehr weites Weideland auf welchem unzählige Schafe und Kühe vor sich hinten kauten. Doch so langsam bewegten wir uns auf den Westen der Insel zu. Hier grenzen Nationalpark an Nationalpark und bedecken die größten Teile Tasmaniens bis in den Norden hinunter. Der Cradle Mountain National Park ist hier der am besten für Besucher erschlossen Park und von dort aus startet auch der international bekannte 65 km lange Overland Track. 65 km wandern … ein wirklich beeindruckendes Unterfangen zu dem wir Wander-Muffel definitiv (noch?) nicht bereit waren. Obwohl die Nationalparks aneinander grenzen, bietet jeder eine einzigartige und besondere Flora und Fauna. Von stoppeliger Steppe zu runden Bäumen, in welche ich mir sehr gut umher schwingende Affen vorstellen könnte. Doch dazu später.

Wir rasten seit gut drei Wochen nun geradezu durch Australien und so langsam merkten wir auch körperlich das Tempo. Auch das Wetter war immer wieder unbeständig. Es war jetzt nicht so, als ob wir uns beeilen würden. Wir hielten wo es uns gefällt, nahmen uns Zeit für die Dinge, die wir sehen wollten und entspannten uns, wenn wir es für nötig hielten. Trotzdem lagen wir so gut im Zeitplan, dass wir unsere Aktivitäten auf die Wettervorhersagen abstimmen konnten und so hielten wir spontan für zwei Nächte im kleinen, verschlafenen Dörfchen Moles Creek, auf halbem Weg zum Cradle Mountain National Park.

Wir erreichten den einzigen Campingplatz im Sonnenuntergang. Das goldene Abendlicht schien auf dieses Flecken Erde, dessen Gras grüner war als überall anders. Ein kleiner Bach plätscherte am Campingplatz entlang, ich stellte mich mitten rein, und die größten Gedanken machte ich mir an den Tagen darum, warum er manchmal schneller und manchmal langsamer fließt. Picknick-Bänke standen im warmen Licht und Hühnchen leisteten uns beim Abendessen Gesellschaft. Später sah ich sie, als sie sich vor einem Hund auf ein Bäumchen flüchteten. Keck schauten sie aus dem Blätterdickicht heraus, während der Hund sie von unten anbellte. Ein idyllisches Bild, als ich meinen Laptop auf einem Zaum in der Nähe der Rezeption abstellte, um im Abendlicht einen Blogbeitrag hochzuladen.

Den nächsten Tag ließen wir entspannt angehen – etwas anderes passte auch nicht zu Moles Creek. Doch trotzdem hatte dieses Örtchen mehr zu bieten, als wir zunächst dachten. In einer klitzekleinen, privaten Tour von gerade einmal vier Leuten (uns inbegriffen) führte uns ein Guide durch die Marakoopa Caves zur Great Cathedral und Glowworms an der Höhlendecke.

Auf unserer Tour schaltete unser Guide immer nur für den nächsten kleinen Streckenabschnitt das Licht an. Nach und nach erleuchteten die teilweise in die Tropfsteinwände eingelassenen Lichter. So machte man das damals, als man die Höhlen für Besucher zugänglich machte. Mit jedem Klack der an braunen Kästen befestigten großen Schalter, zeigte sich neue, eindrucksvolle Steinformationen. Es glitzerte wie Strass, spitze und dünne, weiße und breite, geschwungene und gerade Stalaktiten hinten von den Decken. Ein kleiner Baby-Stalagmiten wuchs langsam, doch stetig auf dem befestigten Weg heran. Tropf, tropf. Breite Tropfsteinformationen drückten sich langsam immer näher über Jahrzehnte an den Besucherweg heran.

Wir erreichten die größte Höhle, die Kathedrale, und unser Guide schaltete zunächst auch die wenigen Lichter, die den Weg beleuchteten, aus. Es war stockdunkel. Es machte keinen Unterschied, ob man die Augen öffnete oder schloss. Auf einmal wurde ich mir meiner Umwelt und mir selbst viel deutlich bewusste. Hörte jetzt das stetige Tropfen, das ich vorher nicht richtig wahrgenommen hatte und ich merkte, dass mein Zopfgummi locker war. Breit grinste ich in die Dunkelheit hinein und schaute mich um, obwohl es nichts zu sehen gab. „It’s so quiet“, kommentierten die zwei anderen Besucher. „Listen to it, it’s very quiet!“, „It’s so beautiful, that it’s quiet“. Ja …. das wäre es, wenn sie es nicht ständig sagen würden.

Wir verwehrten dem Guide sein gewünschtes Lied für die Kathedrale, doch er legte trotzdem für uns die Schalter um. Zunächst sahen wir die hohe Decke, dann den Boden und auf einmal wurde die schönste Tropfsteinformation, mein persönliches Goldstück der Höhle in warmes, weiches Licht getaucht.

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