Tasmanien: Eine Raumschifffahrt

Wir fliegen nach Tasmanien – einer Insel vor Australien, die sich vor ca. 10.000 Jahren vom „mainland“ abgelöst hat. Immer wieder höre ich, dass man alles vergessen soll, was man bisher von Australien gesehen hat, denn Tasmanien wäre einfach ganz anders. Wilder, naturbelassener und einzigartig. Dann wollen wir uns davon mal ein Bild machen. Zwei Wochen unseres einmonatigen Urlaubs werden wir auf dieser Insel von der Größe Bayerns verbringen. Der eine oder andere Tasmanier fühlt sich geschmeichelt, dass wir so viel Zeit ihrem Inselchen „Tassi“ widmen.

Chris und ich hatten uns wieder einen Wicked-Camper gebucht, dieses Mal die Low-Budget-Version „Iconic 2-Sleeper“, denn unser Premium-Camper war hier nicht verfügbar. Ich sag nur: Ach…du…scheiße…äh….Alärmchen! Was für ne reudige Schüssel.

Völlig abgeranzte, aufgerissene Sitze, vollgekritzeltes Inneres (ein Markenzeichen der Wicked-Camper), dreckig, super dünne Matratzen und mit dem inspirierenden Spruch auf der Kofferraumklappe „CONFUCIUS SAY MAN WITH DICK IN PEANUT JAR IS FUCKING NUTS“. Gut, schlimmer geht immer dachte ich mir noch, als mir Chris das Bild des Wicked-Penis-Campers zeigte, das er online gefunden hatte. Ja, ein Campervan bunt bemalt mit riesigen Penissen drauf.

Bei Erhalt unseres ersten Campervans Chewie tönte ich noch so groß „entgegen der ganzen Warnungen im Internet stellte sich Chewie als einen äußerst soliden, intakten und unseren Bedürfnissen völlig ausreichenden Weggefährten heraus.“ Ich nehme diese Äußerung zurück – wir hatten einfach Glück! Zufälligerweise war dieses „Upgrade“ für den gleichen Preis erhältlich wie unser jetziges Gefährt. Dieser jetzige Camper entsprach wohl eher den Standards der Low-Budget-Version. Außerdem hatte dieses Auto blöderweise keine zwei Fenster im hinteren Teil, durch welche wir die Befestigungsschnüre für die Surfboard-Halterung führen könnten.

Eigentlich sind wir ja relativ schmerzbefreit, was unsere Hygiene-Standards auf einer Reise im Campervan angeht. Wildcampen, nur öffentliche Toiletten (einschließlich Plumsklos), Dishes in öffentlichen Toiletten und/oder mit sehr geringem/kalten Wasserbedarf machen usw. Doch dieser Camper schockte uns ganz schön. Man fühlte sich automatisch unwohl.

Doch, was haben wir nur für ein Glück – vielleicht war das auch die Kraft der Mandarine, die wir zu Neujahr in Singapur gegessen haben – die Zündung sprang nicht an! Nach viel Ruckeln und Rütteln und der Einsicht, dass man die Zündung nicht schnell austauschen kann, bekamen wir ein anderes Auto – unser Raumschiff. Das kam zwar auch nicht an den „Luxus“ von Chewie heran, doch es war vor allem nach dem Schock des ersten Autos durchaus annehmbar. Es ist quietschgelb und auf den Seiten reist Elton John mit uns. Auf der Motorhaube prangt ein riesigenroßes Peace-Zeichen, was uns einige fette Grinser und auch Freude entgegenbrachte, und der Spruch auf der auf der Kofferraumklappe „IT’S A BEAUTIFUL FRESH NEW DAY WITH NO MISTAKES IN IT YET“ gehört definitiv zu den angenehmeren. Der Innenraum ist riesig und durch die große Frontscheibe hat man das Gefühl im Cockpit eines Raumschiffs zu sein – weil ich natürlich schon mit so vielen Raumschiffen geflogen bin.

Die Grundausstattung beschränkt sich auch hier auf das Notwendigste, wenn auch in weitaus ver- und gebrauchter Form als bei Chewie (Pfanne, Topf, Kocher, Messer, Gabel, Löffel, Becher, Schüsseln, Kühlbox), doch mehr brauchten wir nicht. Es gab sogar ein scharfes Messer!

Wir hatten die Gelegenheit auf einem Campingplatz in einen in Australien ebenfalls üblichen Mietwagen von „Juicy“ reinzugucken. Man sieht dort auf jeden Fall, wo die zusätzlichen Euros hingehen. Mit ein wenig zusätzlichem Zubehör aus dem naheliegenden Woolworth (Bettlaken, Kissen und Bezüge) war alles gleich viel gemütlicher, das Surfboard fand hier Platz auf und im Van und so langsam fühlten wir uns doch ganz wohl.

Das Fahrgefühl lässt zwar etwas zu wünschen übrig, die Gangschaltungen hat schon bessere Zeiten gehabt und auch der Sicherheitsgurt hat mit Sicherheit schon sicherer ausgesehen. Nun gut, vielleicht das nächste Mal doch nicht mehr so Ober-Low-Budget beim Mietwagen (die Vorzüge, wenn man jetzt auch Geld verdient), doch für dieses Mal reicht es noch aus. Werde ich etwa spießig oder nur erwachsen und auf mehr auf Sicherheit bedacht? Ich erwischte mich im Urlaub zweimal dabei, dass ich mir die Jacke um die Hüfte band anstatt sie lässig über meiner Tasche zu tragen und auch die Trecking-Schuhe sehen irgendwie nicht mehr ganz so scheußlich aus. Oh Gott, ich glaube ich werde alt und vernünftig!

Doch vernünftig oder nicht, was wir definitiv vernünftig machen müssen ist uns einrichten und ein paar vernünftige Wellen für Chris finden – und das taten wir am Cliffton Beach in der Nähe von Hobart. Dort traf er sogar einen neuen Surf-Buddy, Tim, den wir nach unserer Rückkehr für die letzten Tage sogar am gleichen Ort zur etwa gleichen Zeit wiedertrafen. Irgendwie schon schön, bekannte Gesichter wiederzusehen.

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