Australien: Süße 7.6 ft

Chris und ich verbrachten die Nacht nach dem Besuch des Grampians National Park in einem Hostel in Warran… warrna… waraaann…. wananana … (Warrnambool). Wir können uns einfach nicht merken, wie dieser Ort heißt. Dieses Hostel hat einen Garten, in welchen wir in unserem Camper schlafen können. Wir können die facilites des Hostels mitbenutzen, aber da wir ja kein Bett benötigen, zahlen wir einen geringeren Preis als die „normalen“ Bewohner. Wir trafen vier verrückte Backpacker, die mit ihrem Biest von einem Auto gerade auch über die Great Ocean Road ziehen. Wir tranken zusammen ein paar Bierchen und ließen uns vom Work and Travel-Backpackerleben einlullen. Zu uns gesellte sich ein Australier, der sein Leben in etwa so wie ein Work-and-Traveller in Australien verbringt. Nur natürlich eher mit dem Fokus auf Work. Er reist von einem Ort zum nächsten und sucht Arbeit auf Fruitfarms, beim Fruitpicking oder auf Fischkuttern. Doch man kann wahrscheinlich schon sagen, dass er sein eigenes Land intensiver kennenlernt als der Durchschnittsbürger. Vor allem von Backpackern bekommt er Geheimtipps und gibt diese gerne weiter.

Ich könnte mehr ehrlich gesagt mein Leben nicht so vorstellen. Ein Jahr als Work and Traveller gerne, das war toll und ich würde es auch wieder bzw. ein weiteres Mal machen. Doch ich behaupte einfach mal, dass dieses Jahr einfach viel entspannter wäre, als sein gesamtes Leben so auszurichten. Schließlich bereitet man sich und sein Konto in den vernünftigen Fällen darauf vor oder hat – wie der eine Backpacker es so schön sagte – einen Sponsor zuhause, was wahrscheinlich bei denen, die nach dem Abi gehen, meistens der Fall ist.

Planänderung
Als wir am nächsten Morgen erwachten fisselte es, der Himmel war bewölkt und es war für die kommende zwei Tage keine Besserung angesagt. Und das, wo wir gerade heute unsere Fahrt über die Great Ocean Road beginnen wollten. Also: Planänderung.

Chris suchte seit Beginn unserer Reise ein Surfboard, welches er dann mit nach Deutschland nehmen möchte. Doch das stellte sich als schwieriger heraus als gedacht. Gebraucht sollte es am besten sein und ein Anfängerboard zwischen 8 ft und 7.6 ft. Dabei noch möglichst breit, da das die Stabilität verbessert und etwas dicker, für den besseren Auftrieb da mehr Volumen. Und ein weißes wäre großartig.

Kurz nach unserer Ankunft in Australien hatten wir in Robe beim Surfshop „Steves Place“ bereits ein rotes Longboard ausfindig gemacht. Doch es passte nicht ganz und die Nose (Spitze) hatte ein paar komische Verfärbungen, die entweder durch Wassereintritt oder durch zu langes Liegenlassen in der Sonne herrühren können. Letzteres wäre kein Problem, doch bei Ersterem wäre das Board von Innen aufgeweicht, was die Haltbarkeit und die Nutzung beeinträchtigt. Der Verkäufer wusste nicht, woher die Flecken kamen und er wollte Rücksprache mit dem Besitzer halten.

Wir entschieden uns doch weiterzusuchen, machten zuvor aber kurz Halt bei Finn, der handgefertigte Surfboards herstellt, mit denen viele Surfprofis Australiens ihre Kontest bestreiten und gewinnen. Gerade hatte er alle Surfboards verkauft, doch er nahm sich Zeit und erzählte uns Einiges zum Surfen, seinen Surfboards und zeigte uns eine gute Internetseite www.willyweather.com.au, die exakte und detaillierte Vorhersagen (Swell, Windrichtung, ….) des zusätzlich eingegebenen Surfspots ausgibt.

Auf unserer bisherigen Route Richtung Melbourne stoppten wir immer wieder an Surfshops und fragten nach einem gebrauchten Surfboard. Doch das war entgegen unserer Erwartungen wie bereits erwähnt nicht von Erfolg gekrönt. Diese Anfängerboards (um 7.8 ft) sind sehr gefragt und waren schneller aus den Shops wieder verschwunden als man gucken konnte. Sie verwiesen uns immer wieder nach Robe, wo wir das rote Surfboard gesehen hatten oder nach Torquay oder Anglesea, welche jedoch am anderen Ende der Great Ocean Road lagen.

Torquay gilt als Surfmekka der Südküste und in Anglesea gibt es einen riesengroßen Shop nur für Secondhand Boards. Doch diese Orten sollten wir nach unserer ursprünglichen Planung erst am Ende unserer Reise an der Südküste erreichen und das war definitiv zu spät.

An diesem verregneten und wolkigen Morgen entschieden Chris und ich uns also dazu einfach mal verrückt zu sein und direkt in das 200 km entfernte Torquay zu fahren. Denn wenn man dort kein passendes Surfboard finden sollte, wo dann? Wir rasten jedoch nicht an den Sehenswürdigkeiten und schönen Stränden der Great Ocean Road vorbei ohne sie zu würdigen, sondern nahmen den Weg im Inland. Von Torquay wollten wir dann in den nächsten Tagen entsprechend zwei Mal (hin- und zurück) über die Great Ocean Road fahren, da wir ja weiterhin von Melbourne weiterfliegen. Verrückt Typen – gleich zwei Mal über die Great Ocean Road.

Torquay ist der „Geburtsort“ der großen Surfzubehör-Marken Quicksilver und Rip Curl. Hier fing alles in kleinen Geschäften an und verbreitete sich von dort aus überall in die Welt. Für Wassersportler, Lifestyler und Shoppingwütige ist Torquay ein Träumchen. Am nahegelegenen Bells Beach fanden die ersten und bis heute etablierten Pro-Surfmeisterschaften statt.

Und sie hatten alle Recht: Hier gibt es Surfboards – und davon eine ganze Menge. Zwar fanden wir nicht, wie erhofft, ein gebrauchtes Longboard, doch es stellte sich heraus, dass neue lange Surfboards nur 99 $ (~ 55 €) mehr kosten und man ein solches dann auf jeden Fall ohne Schäden erhält.

Surfen ist nicht nur Lifestyle sondern auch Wissenschaft
Das gilt nicht nur bei dem Kauf eines Boards und dem dazugehörigen Equipment wie Taschen und Wachs, sondern erst recht auch auf dem Wasser. Bis eine surfbare grüne Welle entsteht, müssen viele Faktoren ineinander greifen. Bodengegebenheiten, Strömung, Gezeiten, Swell und Hoch- und Tiefdruckgebiete (und damit Windrichtung) sind da wohl nur die wichtigsten Faktoren. Dann stehen vielleicht die anderen Surfer die Welle, doch du noch lange nicht. Ins Line-up kommen, die Welle anpaddeln, Vorfahrt beachten und dann zum richtigen Zeitpunkt aufstehen, das Board richtig belasten, damit man keinen Nose-Dive macht, sind auch nur einige Aspekte des komplexen Vorgang. Dabei sieht es doch so kinderleicht aus. Doch wenn man dann eine Welle erst einmal steht, sich von ihr tragen lässt und man für wenige Sekunden dieses gleitende, aufregende Freiheitsgefühl hat, dann weiß man, wofür man das alles tut. Surfen ist einfach unvergleichbar. Nun war Chris in Besitz seines ersten eigenen Surfboards und wie die Augen leuchteten!

Wir schlugen unser Lager auf einem Camplingplatz nahe des Anfänger- und Fortgeschrittenenfreundlichen Strandes Back Beach in Torquay auf und warfen uns gleich am nächsten Tag in die Wellen. Ich hatte mir in einem der Sufboardverleihsops ein 7.7 Surfboard ausgeliehen. Ein wenig eingerostet schaffte ich es dann auch nach einigen deprimierenden Versuchen, einem ordentlichen Waschmaschinenschleudergang und dem Nachwachsen meines Boards wieder Wellen zu stehen! Ich kämpfte mich immer wieder ins Wasser und paddelte entsprechend der Beschreibung des Surfboard-Verkäufers an der rechten Seite des Strandes ins Line-Up. Durch Strömungen und den Schutz durch die Felsen brachen dort kaum Wellen und man konnte mit deutlich weniger Kraftaufwand hinter die Höhe paddeln, an welcher die Wellen brechen. Bei den Großen konnte und wollte ich nach wie vor nicht mitmischen, doch ich fand einen schönen Spot, von wo aus ich die eine oder andere grüne Welle erwischte. Als diese dann im Laufe des Morgens zu hoch für mich wurden begnügte ich mich begeistert mit Weißwasserwellen und ließ mich immer wieder an den Strand gleiten.

Chris Worte zu seiner ersten Surfsession auf seinem ersten eigenen Surfboard: „War fett!“

Was wünscht man sich da mehr?

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