Australien: Eine positive Känguru-Bilanz im Grampians National Park

Wir biegen bei Mount Gambier ins Inland ab und lassen für zwei Tage das gerade entdeckte Meer hinter uns und fahren in die Berge: In den Grampians National Park oder auch die Grampians genannt. Sandsteinformationen und Wasserfälle laden zum Wandern, Genießen und das eine oder andere Bad ein.

Unser Navi führt uns über Stock und Stein und entlang roter Erde am Straßenrand. Wenn ich an Australien denke, habe ich nach wie vor als erstes das Outback im Kopf. Doch Australien ist auch grün, blau, weiß, sandfarben, schwarz, …Grün sind die Bäume und Sträucher auf unserer Strecke, blau das Meer und Seen, weiß die Strände und Schafe, sandfarben die Grampians, schwarz die verbrannte Erde und Bäume, … Ich könnte ewig weitermachen.

Offroad-Chewie
Die Straße windet sich langsam aber stetig immer höher. Nach und nach ändert sich die Landschaft von Schafweiden und Weite zu einer von Bäumen und Büschen umsäumten Strecke. Nachdem wir Emus und in weiter, weiter Entfernung Kängurus ausmachten, steuerte Chris unseren Chewie Offroad. Über Steine, Sandstrecken und Schotter lenkt er unseren Camper gekonnt und an unser Seite hüpfen immer wieder Kängurus vorbei. Die Känguru-Bilanz erhält langsam Gleichstand (lebendig vs. tote gesichtete).

Die Baumstämme sind schwarz, doch sie tragen wieder grüne Blätter. Auch der Boden sieht verkohlt aus, doch auch hier wäschst wieder Grün. Ich entdecke eine Palmenart, von der ich vorher gelesen hatte. Sie bleibt so lange verschlossen, bis ein Buschfeuer wütet. Dann öffnet sie sich und die Blätter sprießen. Durch das Feuer wurde die Konkurrenz in der näheren Umgebung verbrannt und die Palme kann ungehindert Nährstoffe aus dem Boden ziehen und groß und stark werden.

Lebendige Kängurus gewinnen
Wir holpern zurück auf die Hauptstraße und fahren nach Halls Gap, die „größte Stadt“ (305 Einwohner) in den Grampians, die oft als Basislager für all die Buschwanderer der Gegend genutzt wird. Wir erreichen das Örtchen und unsere Känguru-Bilanz springt in den positiven Bereich. Auf einer Rasenfläche grasen über 15 Tiere. Vorsichtig schlängeln wir uns durch Känguru-Kacke und schleichen uns immer näher an die teilweise ganz schön großen Tieren heran. Natürlich habe ich bereits in Zoos Kängurus gesehen, doch das war nicht das gleiche. Hier stehen wir nur wenige Meter von einer Herde entfernt und können sie ohne Zäune und Gräben beobachten. Sie sind ganz beschäftigt zu grasen und schauen nur auf, wenn wir uns wieder einen Schritt nähern. Sie stehen, schauen und kauen, warten, ob etwas passiert. Wenn wir uns ganz ruhig verhalten und langsam bewegen, wenden sie sich gleich wieder dem Grün zu ihren Füßen zu.

Man kennt ja das typische Springen der Kängurus in- und auswendig. Doch mir war nicht bewusst gewesen, wie sie sich bewegen während sie grasen. Wenn die gerade beknabberte Stelle nichts mehr hergibt, stützen sie sich auf ihre Vorderbeinen und den Schwanz und schieben dann ihre großen Hinterbeine nach vorne. Dann wird weiter gegrast, wieder geguckt, sich gekratzt, gelauscht, nebenbei gekaut und wenn nichts spannendes passiert wird sich wieder dem Gras zu ihren Füßen gewidmet. Sie springen nicht sofort weg. Erst wird geguckt, dann gehandelt. Wenn es ihnen dann doch zu bunt wird, bringen sie mit wenigen Sprüngen einige Meter zwischen sich und dem komischen Subjekt (uns).

Wildcampen auf dem Smith Mill Campingplatz
Nachdem wir unsere Schuhe von Känguru-Kacke gesäubert haben, decken wir uns im einzigen Supermarkt von Halls Gap mit den üblichen Nudeln, Tomatensoße, Cider (beste!) und einem Kanister Wasser ein und machen uns auf die Suche nach einem Campingplatz. Mein Reiseführer empfahl uns den Smiths Mill Campingplatz in der Nähe der MacKenzies Falls, die wir am nächsten Tag besuchen wollten. In den Grampians gibt es elf Campingplätze, deren Nutzung man in Halls Gap im Brambuk Cultural Centre anmelden und bezahlen muss. Doch wie überall in Australien machte dieses bereits um 17 Uhr zu. Um 19 Uhr wollten wir aber schon ganz gerne irgendwo schlafen und fuhren trotzdem unerlaubter Weise zum Schlafen auf den Campingplatz.

Langsam dämmerte es bereits und das Wildaufkommen auf den Straßen erhöht sich. Man sollte eigentlich nicht in der Dämmerung (dusk & dawn) fahren, da dann allerlei Getier unterwegs ist, Kängurus ganz vorne dabei. Doch manchmal lässt es sich einfach nicht ändern – wie in diesem Fall. So schlichen wir mit vier Augen ganz konzentriert auf den Straßenrand Serpentine um Serpentine weiter in die Berge hinauf. Und dort stand dann auch ein Känguru. Auch hier verfolgt es das Prinzip Erst-Gucken-dann-Handeln. Nach etwas Suchen und Dank unseres Navis fanden wir dann doch den Platz. Kleine Goa-Party nebenan mit einbegriffen.

Der Campingplatz ist sehr minimalistisch und nachhaltig aufgebaut (heißt Plumsklo, keine Duschen, keine Küche). Doch für (eigentlich) 17,60$ pro Fahrzeug (~ 11 €) und im Busch ist das genau richtig. So kam dann das erste Mal meine neue Geburtstags-Outdoor-Dusche zum Einsatz. Läuft würde ich sagen.

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Oh, du wunderschöner, frischer MacKenzie Falls
Blütentief rein erreichten wir die MacKenzie Falls und die Sonne begann vom Himmel zu knallen. Das war der erste Tag, an dem uns wirklich sehr warm wurde. Zuvor war der Himmel immer wieder bedeckt und das richtige Hitze-Feeling, was man eigentlich mit Australien verbindet, kam einfach nicht auf. Frieren hatte ich nicht eingeplant. Gut, dass ich trotzdem mit Pulli, Jeans und Softshell-Mantel ausgestattet bin (irgendwie mussten wir ja auch die Anreise in Deutschland und das kalte Flugzeug überstehen).

Wir setzen uns an das Ufer des Beckens unter den Falls und ich spürte den kühlen Sprühregen des herabstürzenden Wassers auf meiner Haut. Es war so herrlich erfrischend. Chris konnte sich die Gelegenheit unter diesem schönen Wasserfall schwimmen zu gehen nicht entgehen lassen und kämpfte sich Schritt für Schritt in das sehr, sehr frische Wasser. Wir schlenderten danach weiter, den Strom entlang.

Doch was man hinunter geht, muss man leider auch wieder hinauf. Tapfer kletterten wir die steilen Stufen in der Hitze wieder rauf und hätten oben angekommen eigentlich auch gleich wieder das Becken des Wasserfalls springen können.

Lookouts und Bushwalks im Grampians National Park
Wer in den Grampians ist sollte sich Zeit nehmen. Hier gibt es so viel zu entdecken und die Lookouts und kurzen Walks die wir mitnahmen, waren wirklich umwerfend. Jede zunächst auf einem Umweg liegende Strecke lohnt sich und hier kann man, besonders als begeisterter Wanderer, sicherlich einige schöne Tage verbringen.

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