Singapur: Kaugummi kauen verboten

Singapur hat für mich so viel zu bieten, dass ich gut noch ein paar weitere Tage in dieser spannenden Stadt hätte dranhängen können. Doch unser Flug geht heute, am 14. Februar weiter nach Australien, wo Chris und ich es uns schön in Backpacker-Manier bis zum 11. März gutgehen lassen werden. Das nenne ich mal ein Luxusproblem.

Je mehr man über Singapur erfährt, desto interessanter wird es. Wie bereits in einem anderen Betrag erwähnt, setzt sich die Bevölkerung Singapurs aus unterschiedlichen ethnischen (asiatischen) Gruppen zusammen. Doch wenn man durch die Straßen läuft, bzw. vor allem, wenn man mit den U-Bahnen unterwegs ist, dann kommt es einem nicht so vor, als wenn man in Asien wäre. Abgesehen natürlich von den augenscheinlichen äußeren Unterschieden. Das U-Bahnsystem (MRT) ist so einfach aufgebaut, dass man ganz souverän und völlig unkompliziert von A nach B kommt. Die Beschilderung ist ausgezeichnet und einfach, die Linien sind farbig gekennzeichnet und die Stationen übersichtlich aufgebaut. Hier können sich definitiv so einige Städte etwas abgucken.

Die Bahnen fahren führerlos und die Bahnschienen sind durch Glasscheiben vom Bahnsteig abgegrenzt, sodass niemand auf die Gleise fallen, springen oder geschubst werden kann. Erst wenn die Bahn hinter den Scheibe angehalten hat, öffnen sich die Glastüren und die Passagieren können ein- und aussteigen. Natürlich warten alle immer ganz brav an ihren Markierungen und lassen die Fahrgäste zunächst komplett aussteigen. Kein Schubsen, kein Drängeln. Verkehrsmitteltourismus vom Feinsten.

Überhaupt ist hier alles sehr geregelt und sauber. Hier liegt kein Papier auf den Straßen, die Bahnstationen sind fast klinisch rein, sodass Jugendliche in den Tunneln tanzen können. Kein Pissegestank, keine Druffis, die durch die Straßen torkeln und keine Belästigung durch Männern. Denn hier herrscht noch Zucht und Ordnung. Utopisch hohe Strafen werden auf Rauchen, Essen und Trinken in den Bahnen und Kaugummi kauen verhängt. Ja, ihr habt richtig gelesen Kaugummi kauen! Hier eine kleine Übersicht über die Strafen, die ich  während meiner zwei Tage in Singapur entdeckt habe / von denen ich gehört habe:

Rauchen in der U-Bahn: 1.000 S$ (~ 647 €)
Essen oder Trinken in der U-Bahn: 500 S$ (~324 €)
Mitführen von Entflammbaren Flüssigkeiten oder Gas in der U-Bahn: 5.000 S$ (~ 3.240 €)
Missbrauch des Notaus der Rolltreppe: 5.000 S$
(Haus)Tiere in der U-Bahn: 500 S$
Auf die Straße spucken: 300 S$ (~ 194 €)
Kaugummi kauen: mehr als 500 S$

In der Bahn läuft ein Video,dass auf die Strafbarkeit von sexueller Belästigung aufmerksam macht. Ein Mann greift einer Frau auf einer Treppe an den Hintern und rennt weg. Sie ist völlig aufgelöst, wird von anderen Personen getröstet und einer ruft die Polizei. Die  nehmen sofort die Verfolgungsjagd auf und tackeln den Grabscher zu Boden. Die Strafe: Gefängnis.

Auch E-Zigaretten sind verboten. Sie werden weggenommen und mindestens zerstört. Im Internet findet man sogar die Drohung, dass E-Zigaretten unter das Drogengesetz fallen, was Todesstrafe bedeutet. Von diesen Vorhersagen geplagt, musste Chris kreativ werden und verwandelte seinen Liquide kurzerhand in „Aromen zum Backen und für Cocktails“. „Oh, nice“ sagte die Frau an der Gepäckkontrolle beim Ausreisen und winkt uns durch. Der Rest der E-Zigaretten befand sich auseinander gebaut und aufgeteilt in Bordgepäck und dem aufgegebenen Gepäck. Uns gibt es noch, die E-Zigaretten gibt es noch. Der Plan hat also funktioniert. K800_IMG_1594

Die strengen Regeln scheinen für unsere Maßstäbe ziemlich übertrieben, doch die Singapurer, mit denen wir gesprochen haben, sehen das relativ gelassen und/oder befürworten das Prinzip. Oder man darf sich nicht erwischen lassen, wie unser Taxifahrer einwirft.

Teilweise scheint das Prinzip extrem penible Ausmaße anzunehmen. Wie bereits erwähnt, ist das Rauchen teilweise komplett verboten, wie auch in Parks.Eines Tages trat der besagte Taxifahrer mit einer gerade angezündeten Zigaretten aus einer Toilette heraus. Er musste nur einige wenige Meter durch einen Park gehen, da erwischte ihn dummerweise die Polizei: 200 S$.

Der Staat schützt seine Bewohner nicht nur vor Lungenkrebs, sondern auch vor der Spielsucht. 100S$ kostet es für den Singapurer nur um in ein Casino zu gehen. Dafür dürfte er dann 24 Stunden dort bleiben, nach diesem Zeitraum und entsprechend einem späteren wiederholten Besuch darf er wieder zahlen. Weiteres Geld wird dann ganz normal für das Spielen benötigt. Touristen müssen keinen „Eintritt“ zahlen (normalerweise kennt man das ja eher anders herum).

Der Rezeptionist unseres Hotels (Perak Hotel in Little India), etwa in unserem Alter, sieht das ganz entspannt und sieht die strengen Regeln positiv. Hier muss keiner Angst haben Nachts alleine durch die Straßen zu gehen, auch Frauen nicht, es gibt keine Schlägereien unter Betrunken und ich mag mir sowieso gar nicht vorstellen, wie teuer auf die Straße kotzen ist – normales Spucken kostet ja bereits 300 S$.

Übrigens kostet Bier Mittags weniger als Abends. Ein 0,33 L Flaschenbier ist Abends mit ungefähr 14 S$ (umgerechnet etwa 8,50 €) ziemlich teuer.

Das einzige was unser Rezeptionist wirklich vermisst sind Kaugummis. Zwei Jahre ist das bei ihm schon her.

Auch wenn sich das jetzt alles sehr streng anhört, fühle ich mich sehr wohl, denn die Menschen sind unglaublich nett, offen und freundlich. Ich kann ganz ungezwungen durch die Straßen gehen, niemand beachtet mich und niemand versucht mir Ware anzudrehen oder mir sonst was aufzuschwatzen. Außerdem kann ich mich, mit Englisch als einer der Amtssprache Singapurs, ganz einfach verständlich machen.

Jedem, der vielleicht das erste Mal ganz ungezwungen in die asiatische Kultur reinscnuppern möchte, oder sowie einen Zwischenstopp in Singapur macht, kann ich wirklich nur ans Herz legen ein paar Tage in diesem unkomplizierten und trotzdem spannenden Land zu verbringen!

2 Gedanken zu “Singapur: Kaugummi kauen verboten

  1. Gut geschrieben. Danke! Aber mir ist ehrlich gesagt das heutige Singapur zu steril und zu restriktiv. Ich erinnere mich noch gut an die Zeiten in den 70ern des vergangenen Jahrhunderts, als wir in der Bugis-Street nächtelang durchfeierten und uns mit den Transvestiten ohne Hintergedanken unterhielten. Heutzutage erinnert mich Singapur eher an eine Intensivstation, als an eine pulsierende ostasiatische Stadt. Auf alle Fälle freue ich mich schon auf die Berichte aus Australien! Take care!

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    • Ich kann mir gut vorstellen, dass sich da so einiges in den letzten 40 Jahren verändert hat – ich bin gespannt, was die nächsten 40 Jahre in den Ländern, die ich bisher besuchte hab so alles verändern werden. Mir hat Singapur trotz – oder vielleicht auch gerade wegen – dieser, wie du sagst sterilen Atmosphäre sehr gut gefallen. Es ist einfach anders, als was man sonst kennt. Doch ich kann mir gut vorstellen, dass wenn man das „wilde“ Singapur von früher kennt, die Veränderungen schwer lieb zu gewinnen sind.

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