Singapur: Erwarte nicht das Versprochene, sondern lass Platz für das Unerwartete

Wir schlenderten weiter und schritten abermals andächtig durch den Than Hock Keng Temple, dem ältesten chinesischen Tempel Singapurs, und etwas unandächtiger durch den Yu Huang Gong, einem taotischen Tempel. Die Atmosphäre war einfach lockerer. Ob dies an den fehlenden Tempelwächtern lag oder an der Art des Tempels vermag ich nicht zu sagen. Ich muss zugeben, buddhistisch und hinduistisch kann ich mittlerweile anhand eines Buddhas bzw. den farbenfrohen Figuren und den Schuhen vor der Tür erkennen, doch danach hört es bereits auf und das Internet muss im Nachgang helfen. Doch ich stehe auch erst am Anfang meiner Asien-Entdeckungen.

Wir tranken Bierchen und einen leichten Aloe Vera Juice. Schlendern durch die wild leuchtendende Einkaufspassagen Bugis Street mit fliegenden Minions und einer riesigen Auswahl exotischer, frisch gepresster Säfte (Avocado, Honig- und Wassermelone, Sternfrucht, Mango, Traube, …) für 1-2 S$ (1 Singapur Dollar (S$) = 0,63 €) und erreichten dann Bagdad.

Also eigentlich das arabische Viertel Singapurs und auf einmal standen wir vor des Sultans Palast. Unverhofft kommt oft und dann eben noch besser. Ich habe mich (natürlich) kaum über Singapur informiert und erst vor Ort durch ein ausgiebiges Studium einer Straßenkarte, in welcher mit grünen Sternchen und vielleicht noch einem kleinen Piktogramm Attraktionen und Sehenswürdigkeiten eingezeichnet sind. Oh, zwei grüne Sternchen in einem arabischen Viertel – hin da! Keine Erwarten, keine Enttäuschung und umso mehr Verzückung! Vielleicht oder auch wahrscheinlich verpasse ich durch diese Art des Reisens so einige sehenswerteb Attraktionen, doch ich weiß es nicht und das ist ok so. Orte flashen mich, denn ich bin nicht enttäuscht von der Wirklichkeit, welche nicht mit inszenierten und überzogenen Fotografien und Werbung mithalten können. Unerwartete Performances faszinieren und ich bin von jeder einzelnen überrascht, denn ich erwarte nicht an diesem und jenem Zeitpunkt dies und jenes. Die Vorstellung fällt aus? Oh nein! Kein Drache reinigt das Geschäft, in dem ich mich aufhalte, von Bösem. Aber ich habe mich so darauf gefreut! Ich würde mir nie anmaßen zu behaupten, es wäre DIE Art und Weise zu Reisen. Doch es ist meine Art. Und ich fahre ausgesprochen gut damit. Erwarte nicht das Versprochene, sondern lass noch Platz für das Unerwartete.

Zurück zu den grünen Sternchen. Das eine, die Arab Street, war ganz nett, doch verglichen mit den zuvor besuchten Stadtteilen Little India und Chinatown stank sie doch ein wenig ab. Zwar änderte sich deutlich das Angebot in den nebeneinander aufgereihten schmalen Läden der einzelnen Stadtteile, entlang welcher man sich unter Arkaden schlängelte, von Elektroartikeln und Goldschmuck zu allerlei roter Dekoration und lustigem bis skurrilem Schnickschnack bis hin zu Teppichen, bunten Laternen und langen Gewändern mitsamt Kopftüchern. Doch laut tönenen die Backstreet Boys durch die Arab Street und lassen einen vielleicht nicht ganz so tief in die arabische Welt eintauchen. Ein türkischer Minz-Tee musste her.

Und dann, wir waren bereits mit einem Schlenker auf dem Rückweg: Der Palast. Ich blicke nach links in eine Straße und zack – Orient. Palmen umsäumten den Weg, welcher direkt zu den goldenen Kuppeln führte, die bereits zuvor hier und da zwischen den Gebäuden hervor schauten. Die lauernden, ein-nein-nicht-akzeptierenden Restaurantbewerber versetzten mich dann doch in ein arabisches Land. Auch wenn ich bisher selbst noch nicht dort war. Doch ich hab ja Aladin und die Wunderlampe gesehen. Das ist auf jeden Fall eine zuverlässige Quelle. Diese Penetranz der Restaurantbewerber war uns bisher in ganz Singapur zuvor nicht begegnet und danach auch nicht mehr. Naja, gehört halt scheinbar für’s echte Feeling dazu.

Ein echtes Feeling gab es dann auf dem Rückweg: ein Flohmarkt in einer Seitenstraße. Dünne Menschen saßen inmitten von angehäufter Ware, die voraussichtlich zu großen Teilen gefunden, wiederverwertet oder möglicherweise sogar gestohlen waren. Ich muss zugeben, ich fühle mich dabei nicht sonderlich wohl durch ihre Reihen zu gehen. Eigentlich würde ich diese besondere, reale Situation gerne fotografieren und festhalten. Doch es erscheint mir unpassend hier meine Spiegelreflexkamera herauszuholen und Menschen zu fotografieren, die deutlich darum kämpfen müssen ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Auch wenn das nicht die unreflektierte Wahrheit der Welt ist – ich mag meine wunderschöne, bunte und zu meisten Teilen heile (Reise)Welt. Armut macht mich befangen, mit bettelnden Kindern weiß ich erst recht nicht umzugehen und ich merke dass ich mit meinem sorgenfreien Leben nicht hierhin gehöre, worüber ich sehr froh und dankbar bin.

 

… to be continued …

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