Singapur: Karma ist ’ne Mandarine

An einem Tag von Little India nach Chinatown, wir machen einen Abstecher zu Aladin in Bagdad und träumen unter Vitraya Ramunong, dem Baum der Seelen in Pandora. Ja, ok. Letzteres musste ich auch googeln.

Mein Vater kam heute aus Indonesien nach Singapur und wir machten uns gleich auf den Weg nach Chinatown. Vor 10 Jahren war ich mit ihm und meinem Bruder in Vancouver und besuchten auch dort diesen Stadtteil. Damals aß er einen ganzen Teller Heuschrecken. So ist das auf jeden Fall in meinen Erinnerungen, denn es waren damals gefühlt RICHTIG viele. Vielleicht waren es auch nur fünf. Aber mindestens eine! Jedenfalls fand ich das als 15-jährige ganz schön krass abgefahren. Ich brauche vermutlich nicht zu erwähnen, dass ich die damals natürlich nicht probiert habe. Igitt igitt! Heuschrecken! Jetzt waren wir wieder zusammen in einer Stadt in der die Chinesen einen ganzen Stadtteil ihr Eigen nennen können. Jetzt war ich mutiger und wollte sie mit ihm zur Feier des Tages essen. Schade, gab es nicht. Macht nichts, sind trotzdem satt geworden. Und zwar richtig lecker!

Chinatown ist hier weitaus touristischer als damals in Kanada. Damals war es mehr dort, wie es jetzt hier in Little India ist. Authentischer. Doch ich finde es trotzdem großartig!

Doch so geht es leider aber zu oft auch:

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Wie ich bereits im letzten Eintrag erwähnte, ist gerade Chinese New Year. Die beste Zeit um nach Singapur zu reisen! Zwar verpassten wir den großen Auftakt am 8. Februar, doch noch heute wird mit dem „Lion Dance“ und/oder „Dragon Dance“ das Böse mit so viel Krach wie möglich in den Straßen, Malls und Geschäften vertrieben. Sogar im Tekka Market, neben dem frisch zerhackten Fleisch. Je lauter man trommelt und klappert, desto besser. Denn ist das Böse erst einmal vertrieben, kann das Gute Einzug halten.

Und für besonders viel Glück bzw. Fülle werden in Singapur Orangen- und Mandarinenstückchen an alle verteilt. Jetzt wo ich die Bedeutung hinter dieser Geste erfahre, bin ich froh, dass ich nach dem zweiten Mandarinen-Angebot doch mein Kaugummi ausspuckte und dankend annahm. Glück und Fülle kann man schließlich immer gebrauchen.

Das Jahr des Affen hat begonnen. Und überall hängen Figuren und Bilder und schauen mit ihren süßen Knopfäuglein auf uns hinunter.Wenn du in folgenden Jahren geboren wurdest, dann bist auch du ein Affe: 1944, 1956, 1968, 1980, 1992, 2004 und eben dieses Jahr. Tja, Pech gehabt liebe Primaten. Denn das Jahr des Affen gilt als das schlechteste Jahr für euch Äffchen. Ein bisschen Hoffnung gibt es noch für euch. Das erwartet die Affen und den Rest von euch:

Zum chinesischen Neujahr wird vermehrt gebetet und rote Dekoration – wie meine nun geliebten roten Laternen – hängt überall in den Straßen. Rot ist für die Chinesen die verheißungsvollste Farbe. Aber ist sie es nicht auch für uns? Löve und so.

Wir setzen uns jedenfalls in die Street Food Street in Chinatown, wo sich jeder aus unzähligen Ständen sein begehrtes Gericht aussuchen kann und dieses glücklich mit Essstäbchen in den Mund bugsiert. Gut, dass ich schon so oft alle möglichen asiatischen Gerichte gegessen hab und das ganz gut drauf hab. Gesicht in Chinatown nicht verloren! Und Essen auch nicht. Im Hintergrund spielen die hellen Klängen chinesischer Musik. Pling plang, ching chang. Oh, ich glaub das war politisch nicht korrekt.

Für mich gabs Dumplings von meinem neuen Dumpling-Buddy!

Tempel – ich liebe Tempel! Ob hinduistisch, buddhistisch, chinesisch, indisch, mit Äffchen, ohne Äffchen, mit Sarong oder barfuß. Sie versetzen einen augenblicklich in eine andere Kultur und ich wünschte stets, ich könnte mehr über sie erfahren. Symbole deuten können, ihre Riten miterleben und ihre Andacht teilen. Doch ich gehöre stets nur zu den neugierigen Touristen, die von ihren Gebeten und Gesängen angezogen werden und entsprechend nicht (gut) vorbereitet sind. Die Fotos von Betenden machen, um irgendwie ein besonderes Bild zu fotografieren, dass sowohl meine Erinnerungen festhält als auch den Betrachter ein Stück weit in diese Welt entführt. Doch ich bilde mir ein, ein wenig andächtiger hinter ihnen zu stehen, sich ein wenig mehr auf die Situation einzulassen und hoffentlich nur halb so viele heilige, für Unwissende nicht groß genug aufgeschriebene Regeln zu brechen, wie der Otto- oder Horst-Durchschnittsbürger. Hiermit eine kurze Entschuldigung an alle Ottos und Horsts unter euch.

Nach unserer gestrigen wunderschönen Erfahrung im farbenfrohen indischen Tempel Sri Veeramakaliamman (barfuß) traten wir zur Gebetszeit in einen goldenen, nach Räucherstäbchen duftenden buddhistischen Tempel bei Chinatown, dem Buddha Tooth Relic Tempel (mit bereitgestelltem Sarong und Schal zur Bedeckung meiner nackten Knie und Schultern). Über 40 Gläubige sagten einstimmig mit einem Mönch Gebet um Gebet (oder war es nur ein langes?) auf. Ihr Stimmen hallten von den Wänden und zogen mich wie immer in ihren Bann. Ich betrachtete sehr andächtig die Buddha-Statuen in den Nischen, umringt von 1.000 kleinen Buddhas in kleineren Nischen, und warf eine kleine Spende in eine der vielen durchnummerierten Gefäßen, welche unter den Buddhas standen. Ich hoffe ich habe mich für etwas gutes Karma beworben. Die zunächst abgelehnte Mandarine kann bestimmt noch etwas Unterstützung gebrauchen.

 

… to be continued ..

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Begegne den Menschen mit der gleichen Höflichkeit, mit der du einen teuren Gast empfängst (Konfuzius)

2 Gedanken zu “Singapur: Karma ist ’ne Mandarine

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