Portugal: Francesinha – Würstchen auf Käse, auf Brot, auf Schinken, auf Steak, auf Steak, auf Schinken, auf Brot mit einer orangenen Soße mit Fleisch

Wir surfen wieder auf einer Couch. Nachdem Filipe uns in Lissabon mit seiner herzlichen Art unbewusst völlig von den Prinzip Couchsurfing überzeugt hatte, wollten wir es wieder tun! Dieses Mal in Porto. Spontan fanden wir noch ein Plätzchen bei André.

Der André. André ist schon eine Marke für sich. Pessimist durch und durch, doch mit seiner trockenen Art haut er völlig unerwartet unglaublich lustige Sprüche raus, die mich einfach losprusten lassen. Nachts um drei erzählte er uns auf seinem Holzbett Horror-Geschichten aus der Wohnung über uns, die er käuflich erworben hatte. Diese Wohnung sei in keinem Grundbuch eingetragen und Schlösser seien außerhalb der Zimmer an den Türen angebracht. Als ob jemand nicht hinaus, aber hinein gehen dürfte. Wenn ich nur dran denke gruselt es mich!! Doch er beruhigt uns – die Geräusche, die vermeintlich aus der oberen, leeren Wohnungen kämen, sind eigentlich nur von draußen, die in den Gassen und Wänden wieder hallten. André ist ein ganz eigener Typ, doch weiß man ihn zu nehmen, kann man sich stundenlang mit ihm über Gott und Geister unterhalten.

Leider war er beruflich sehr eingespannt, sodass Angi und ich uns alleine auf die Porto-Entdeckungstour machten. Wir schlenderten am Abend unserer Ankunft zum Fluss hinunter und liefen über die Brücke ans andere Ufer. Unsere spontan geplante Portwein-Tour (man sagt, es sei ein Must-Do Portos) wurde genauso spontan wieder zerschlagen. Wir waren etwas spät dran. Wir schlenderten am Ufer entlang, bis uns ein Wolkenbruch und „nur ein Wein“ in ein schnuckeliges Restaurant führte.

Anstelle des „nur ein Wein“ landeten Muscheln, Pulpo (Tintenfisch), Kroketten, Nachtisch (ein Biskuitkuchen, den wir uns sehr fair teilten), Portwein für Angi (wie gesagt, ein Must-Do) und drei kleine Flaschen des berühmten grünen Weins Portugals (der eigentlich weiß war). Der Kellner wusste wie er mit seinen Kundinnen umzugehen hatte und schüttete schneller Wein in unsere Gläser nach als wir gucken konnten. Okay, dann eben noch ein Weinchen. Zum Schluss hatten wir irgendwie drei Gläser und einen Korken auf dem Gewissen.

Als wir uns dann so langsam mit der Planung des Heimwegs befasst, fiel uns auf, dass wir gar nicht genau wussten, wie wir wieder zurückkommen sollten. Wir waren am Nachmittag einfach losgestiefelt und hatten schon einige Kilometer hinter uns gelegt. Mit Hilfe unseres Kellners, der per Handy unsere Straße ausfindig machte, die nicht auf unserer Karte eingetragen war und eines Taxi-Fahrers, den ich einfach mal schnell als unseren Reiseführer ernannte, kamen wir wohlbehalten wieder bei André an.

Normalerweise ist für mich „zuhause“ auf Reisen schnell gleichzusetzen mit „da wo meine Tasche wohnt“. In diesem Fall wollte das Heimatgefühl nicht so ganz aufkommen. Ich schätze es lag an unserem eiskalten Schlafzimmer, den dünnen Bettdecken und der etwas schimmelig / abgeranzten Wohnung. Doch Angi und ich machten einen auf Pinguin und mit Andrés Heizstrahler, den wir im Stundentakt ein- und ausschalteten bekamen wenigstens etwas Schlaf, während wir uns ganz schön den Hintern abfroren. In der zweiten Nacht optimierten wir dieses Verfahrend dann noch. Ja, Februar in Portugal ist gar nicht so warm. Irgendwie scheinen die Portugiesen das nicht so ganz wahrhaben zu wollen. Statt Heizungen und isolierten Wohnungen gibt es nämlich nur einen mobilen Heizstrahler.

Wir wollten mit Porto nicht so ganz warm werden. Eine gruselige und komische Frau, die Angi bedrängen, viele Obdachlose, eine Möwe, die mir auf den Kopf kackt, Druffis, die völlig verstrahlt durch die S-Bahnen torkeln. Wir verlaufen uns und kommen nicht da raus, wo wir eigentlich hinwollten.Doch auch Porto bietet seine schönen Ecken. Sie sind nur etwas versteckter.

Am nächsten Tag schlendern wir durch die Straßen, frönten unserem geliebten Supermarkttourismus (woah, Wein im kleinen Tetrapack) und sorgten für einen würdigen Abschluss unserer 10-tägigen Reise durch Portugal: 1. Letzte Pasteis am Strand bei Sonnenuntergang.

Und 2. das berühmt, berüchtigte Francesinha. Oder treffender: Meatception (also von Inception. Nur statt Traum in Traum in Traum heißt es hier Fleisch in Fleisch in Fleisch). Um genau zu sein: Würstchen auf Käse auf Brot auf Schinken auf Steak, auf Steak, auf Schinken auf Brot mit einer orangenen Soße.

André führte uns zu seinem liebsten Francesinha-Laden. Während Angi und ich uns eins teilten (und selbst das schafften wir nicht ganz) verdrückte André das ganze Ding. Auf meine Frage, ob das Übung sei antwortete er ganz trocken: „Das liegt in den Genen“. Und dann verriet er uns noch die Zutaten für Großmutters besten Francesinha-Soße: Sprite, Weiß-, Rot- und ein bisschen Portwein, dunkles und helles Bier, Bohnen, Mehl zum Verdicken, Gewürze, natürlich Fleisch! Und Omas Tipp für die Farbe: Fanta. Wisst ihr Bescheid!

Darauf noch ein Bierchen / Weinchen in einer (nach einer längeren Suche gefundenen) Bar und wir rollten uns zurück zur Wohnung.

Auf unserem Heimflug träumte Angi bereits von Pasteis de Nata.

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