Portugal: Couchsurfing im Land der Tomatenmarmelade

Ja!!! Ihr habt richtig gelesen!! Tomatenmarmelade!! Wir konnten es auch nicht glauben! Uns heißt in diesem Fall meine Freundin Angi und ich und wir befinden uns in Portugal. Ich werde es ab heute Land der Tomaten- und Kürbismarmelade nennen.

Drei Wochen vor unserem Urlaub überlegten wir uns doch einmal zusammen irgendwohin zu reisen. Wir wollten billig in die Wärme. Und das im Februar. Also kurzerhand acht Tage Portugal gebucht. Ryanair und MeinFernbus sei Dank schafften wir es für unter 100 € pp nach Lissabon und dann wieder vom 300 km entfernten Porto nach Bremen zurück.

Um mehr über Portugal und seine Leute zu erfahren, probierten wir das erste Mal richtig Couchsurfing aus. Beim Couchsurfing bieten Hosts, wie du und ich, Reisenden eine Couch zum Übernachten an – für umsonst. Alternativ könnte dies natürlich auch ein Bett oder eine Matratze sein. Man fragt sich vielleicht – gut, für den Reisenden macht das ja total Sinn. Man kann irgendwo umsonst schlafen. Doch was für einen Sinn hat es für den Couch-Anbieter? Naja, der eigentliche Gedanke beim Couchsurfings ist es ja nicht, einfach nur einen Schlafplatz zu haben, sondern Leute aus aller Welt kennenzulernen, sich auszutauschen und mehr über andere Kulturen zu erfahren. Dies gilt sowohl für die Reisenden, als auch für den Host. Ich hatte 2012 während meines Auslandssemesters in Gran Canaria mit meinem damaligen Freund Couchsurfing bereits genutzt, um so möglichst billig auf Wohnungssuche zu gehen, doch irgendwie unternahmen wir da nichts mit unserem Host. Ich denke, es war sowohl von seiner, als auch von unserer Seite aus eher nur ein Wohnen, statt ein Kennenlernen. Deshalb zähle ich das nicht wirklich als eine Couchsurfing-Erfahrung. Dieses Mal sollte es anders sein.

Man mag vielleicht skeptisch sein, was dieses System angeht – man lädt jemand Fremdes in sein Heim ein oder geht zu jemand Fremden ins Heim. Das hat einem Mama aber anders beigebracht. Deshalb würde ich so etwas alleine als Frau nicht in Erwägung ziehen. Doch da Angi und ich zu zweit reisen, wollten wir es einmal ausprobieren, denn eine bessere Ausgangssituation als zwei Mädels gibt es meiner Meinung nach nicht. Ich denke, hier sollte man auf jeden Fall auf sein Bauchgefühl hören. Anhand des Profils, der Profilbilder und der Nachricht kann man schon einen ersten Eindruck gewinnen – und wenn man dann die Person in Natura sieht, kann man immer noch nein sagen.

Doch für uns war Couchsurfing genau die richtige Entscheidung!! Filipe, 28, ein waschechter Lissaboner, nahm uns bei sich auf. Es war großartig und so viel besser als wir es uns vorgestellt hatten. Ich schätze, wenn man einmal eine gute Couchsurfing Erfahrung gemacht hat und den Gedanken verinnerlicht hat, möchte man Anderen am liebsten auch eine solche Möglichkeit bieten, Land und Leute auf eine selten so schnelle und unkomplizierte Art und Weise kennenzulernen. Eine Couch werde ich wohl trotzdem nicht anbieten, außer denjenigen, die ich bereits kennengelernt habe. Optional kann man sich auch als Local zu einem Treffen „anbieten“. Vielleicht mache ich das ja mal, wenn es passt. Ein bisschen Braunschweig und seine Leute vorstellen.

Am Dienstag, den 17. Februar, landeten wir in Lissabon und von diesem Tag bis Freitag konnten wir bei Filipe im Wohnzimmer auf Couch und Matratze schlafen. Am Freitag würde er dann seine Oma besuchen. Eigentlich hätte er am Mittwoch frei gehabt, doch sein Chef rief ihn doch in die Firma. Er entschuldigte sich immer wieder, dass er so wenig Zeit für uns hätte, da er doch arbeiten musste. Das war natürlich schade, denn er hatte angeboten uns an seinem freien Tag herumzuführen, doch da wir so ganz ohne Erwartungen an diese Sachen herangegangen waren, waren wir wirklich überrascht und höchst erfreut über dieses Angebot. Wir hatten nicht mit so viel Engagement gerechnet und erfuhren später, dass er zuvor aufgeregt war, weil wir seine ersten Couchsurfer waren. Sich Gedanken machte, dass er unsere Erwartungen nicht erfüllen könnte. Doch wie gesagt, er hat sie als Host übertroffen.

Tagsüber waren Angi und ich dann also alleine unterwegs und erkundeten Lissabon, doch diesen „fehlenden freien Tag“ machte Filipe mit unseren Treffen am Abend nach seiner Arbeit und Empfehlungen zur Tagesgestaltung wett.

Am ersten Tag, Tag unserer Ankunft, sammelte er uns gegen 23 Uhr in der Stadt ein. Er kam direkt vom Campen und konnte deshalb nicht früher. Also stiefelten Angi und ich nach unserer Ankunft beladen mit unseren Rücksäcken los, um einen Einblick von Lissabon zu bekommen. Obwohl uns in diesen 6 Stunden nur 12 mal Gras / Hash, 2 mal Koks und 2 mal Company angeboten wurde, gefiel uns diese Stadt im Dunkeln auf den ersten Blick sehr gut. Wir mochten diese gelassene Atmosphäre, mit der die Menschen durch die Straßen wanderten. Man fühlte sich gleich „entschleunigt“ wie man heutzutage so schön sagt. Entschleunigt und gut aufgehoben.

Wir aßen großartige Tapas, tranken unser erstes portugiesisches Bier, was meiner Meinung nach tatsächlich mit dem deutschen mithalten kann, und lauschten einer Band auf der Straße. Ein Paar tanzte dazu spontan mit Jacke und Tasche auf dem Platz. Wirbelten herum, dass der Schal flog und der Sänger widmete seine Rassel nur ihnen. Später wurde ein kleiner Junge, ebenfalls spontan, der Star der Band. Mit etwa vier Jahren schüttelte er die Rassel und seine Schwester / Tante / Freundin der Mutter (?) schwang dazu in kurzen Shorts mit ihren Hüften. Wenn mich eine Stadt mit Musik und Tanz begrüßt, hat sie mich sowieso schon gewonnen.

Wir liefen weiter unter einem großen beleuchteten Torbogen durch, über einen weiten Platz und zum Fluss, der aus Spanien kam und nur wenige Kilometer weiter in den Atlantischen Ozean fließen würde. Es roch bereits nach Meer.

Wir setzten uns unter eine große Säule auf dem Plaza de Rossio und warteten auf Filipe. Ganz so warm, wie wir es im ersten Moment im Gefühl hatten war es dann doch noch nicht. Doch das machten die nächsten Tage wieder so gut wett, dass wir einen kleinen Sonnenbrand bekamen.

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